Fußballvereine der 1. bis 3. LigaRatgeber

1. FC Union Berlin: von Köpenick in die Bundesliga

Der 1. FC Union Berlin wurde am 20.01.1966 in Berlin-Oberschöneweide gegründet und spielt im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick. 1968 gewann Union den FDGB-Pokal, 2019 stieg der Verein erstmals in die Bundesliga auf und erreichte 2023 die Champions League. Auch 2026/27 spielt Union in der Bundesliga.

Kompaktes Fußballstadion mit steilen überdachten Stehplätzen zwischen hohen Kiefern und Birken im Herbstlicht
Bild: KI-generiert

Der 1. FC Union Berlin ist rund 60 Jahre alt, hat nach eigenen Angaben fast 70.000 Mitglieder und spielt in einem Stadion, das zum größten Teil aus Stehplätzen besteht.[2, 4] Hier findest du die Gründung im Jahr 1966, den Pokalsieg in der DDR, das Endspiel von 2001, den Aufstieg 2019 und das Stadion in Köpenick. Liga und Trainer für 2026/27 haben wir am 29.10.2026 geprüft.

Union Berlin auf einen Blick

MerkmalAngabe
Gegründet20.01.1966 in Berlin-Oberschöneweide
VereinsfarbenRot und Weiß
Mitgliederfast 70.000
StadionAn der Alten Försterei, 22.012 Plätze
Größter PokalerfolgFDGB-Pokal 1968
DFB-PokalFinale 2001
Bundesligaseit der Saison 2019/20
Champions LeagueGruppenphase 2023/24
Liga 2026/27Bundesliga
Trainer 2026/27Mauro Lustrinelli

Die Angaben stammen vom Verein, aus dem Datencenter des DFB und von der Deutschen Fußball Liga.[1, 2, 3, 4, 6, 8]

Gründung im Januar 1966

Union entstand aus einer Neuordnung des Fußballs in der DDR. Fußballverband und Turn- und Sportbund schlugen am 17.08.1965 zehn neue Fußballclubs vor, das Sekretariat des SED-Zentralkomitees bestätigte die Liste am nächsten Tag. In Berlin ging der neue Club aus der Fußballabteilung des TSC Berlin hervor, die damals in der zweiten Liga spielte.[1]

Alte Klubhaushalle eines Fabrikgeländes mit Holzstühlen und warmen Lampen an einem Winterabend
Bild: KI-generiert

Den Namen fanden Berliner Fußballfreunde selbst. Auf eine Umfrage der Presse kamen 286 Einsendungen mit 475 Vorschlägen, am 18.01.1966 stand "1. FC Union Berlin" fest. Zwei Tage später, am 20.01.1966 um 17 Uhr, wurde der Club im Klubhaus des Transformatorenwerks "Karl Liebknecht" in Oberschöneweide vor rund 200 Gästen gegründet. Die Farben Rot und Weiß blieben.[1] Seine Wurzeln führt der Verein auf das Jahr 1906 zurück, als der Vorgänger FC Olympia Oberschöneweide am 17.06.1906 entstand.[10]

Erster Vorsitzender wurde Werner Otto, Cheftrainer Werner Schwenzfeier. Am 28.01.1966 unterschrieben Vertreter von TSC und Union das Übergabeprotokoll. Das erste Spiel unter Flutlicht folgte am 05.02.1966 gegen den FC Vorwärts Berlin, 1.000 Zuschauer sahen ein 1:1. Eine Woche später zeigte die Berliner Zeitung zum ersten Mal das neue Vereinsemblem, entworfen von Peter Gribat.[1]

Schon das erste geplante Freundschaftsspiel am 22.01.1966 sorgte für eine Anekdote. Die Partie gegen Motor Oberschönau fiel in heftigen Schneefall, der Schiedsrichter war nicht informiert worden. Gespielt wurde trotzdem, Union gewann 5:3, und der Verband verhängte dafür eine Geldstrafe von 100 Mark.[1]

Das erste Pflichtspiel bestritt Union am 16.02.1966 gegen Motor Köpenick, es endete 1:1 vor 1.500 Zuschauern. Kapitän Ulrich Prüfke hatte bei der Gründung den schnellen Aufstieg in die Oberliga als Ziel ausgegeben. Am 15.05.1966 war es so weit: Mit einem 3:1 in Rostock am vorletzten Spieltag sicherte sich Union Platz eins in der Nordstaffel und damit den Aufstieg.[1]

Der FDGB-Pokal 1968

Den einzigen großen Pokal der DDR-Zeit gewann Union 1968. Im Endspiel um den FDGB-Pokal, den Pokal des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes, schlug die Mannschaft den FC Carl Zeiss Jena.[3] Wie die Oberliga der DDR aufgebaut war und welche Clubs sie prägten, steht auf der Seite Fußball in der DDR: die Oberliga.

Union lag im Osten der geteilten Stadt. Den politischen Hintergrund der Jahre zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung erklärt unsere Seite über DDR und Bundesrepublik.

Pokalfinale 2001 und die Jahre in der 2. Bundesliga

Im gesamtdeutschen Pokal tauchte Union erst 1994 auf. Dort verlor der Verein an der Alten Försterei 2:3 gegen den FC St. Pauli, das erste Pokalduell beider Clubs.[3]

In der Saison 2000/01 lief es anders. Als Drittligist schaltete Union zuerst Rot-Weiß Oberhausen aus, dann Greuther Fürth mit 1:0 und den SSV Ulm mit 4:2. Im Viertelfinale gewann die Mannschaft an der Alten Försterei 1:0 gegen den Bundesligisten VfL Bochum. Im Halbfinale setzte sich die Mannschaft zu Hause im Elfmeterschießen gegen Borussia Mönchengladbach durch.[3] Das Endspiel am 26.05.2001 im Berliner Olympiastadion gewann der FC Schalke 04 mit 2:0.[3] Den Modus des Wettbewerbs erklärt die Seite DFB-Pokal: Modus, Rekordsieger und Finale.

Im selben Jahr stieg Union in die 2. Bundesliga auf und spielte dort von 2001/02 bis 2003/04.[2] Danach ging es zurück in die Drittklassigkeit. In der ersten Saison der neuen 3. Liga, 2008/09, gehörte Union zu den Teilnehmern und stieg am Ende der Saison in die 2. Bundesliga auf. Von 2009/10 bis 2018/19 folgten zehn Jahre in der 2. Bundesliga.[2]

Aus dieser Zeit stammt ein Pokalabend in Dortmund. Am 26.10.2016 spielte der Zweitligist Union im Westfalenstadion gegen Borussia Dortmund, glich in der 81. Minute aus und verlor erst im Elfmeterschießen. Unter den 79.037 Zuschauern waren mehr als 12.000 aus Berlin.[3]

Aufstieg 2019 und der Weg nach Europa

Im Juli 2018 übernahm der Schweizer Urs Fischer das Traineramt.[6] Am Ende seiner ersten Saison stand Union auf dem Relegationsplatz und traf auf den VfB Stuttgart. Das Hinspiel in Stuttgart endete 2:2, das Rückspiel am 27.05.2019 in Berlin 0:0. Wegen der zwei Auswärtstore stieg Union zum ersten Mal in die Bundesliga auf und wurde der 56. Verein der Liga.[9]

Unter Fischer belegte Union danach die Plätze 11, 7, 5 und 4. Die Mannschaft spielte zuerst in der Conference League, dann in der Europa League und qualifizierte sich mit Platz vier in der Saison 2022/23 erstmals für die Gruppenphase der Champions League.[6] In der Saison 2023/24 kam der Einbruch: Nach 14 Pflichtspielen ohne Sieg, davon 13 Niederlagen, trennten sich Verein und Trainer am 15.11.2023 einvernehmlich. Fischer hatte 224 Spiele betreut, 95 gewonnen und 71 verloren.[6]

Seit dem Aufstieg 2019 spielt Union ohne Unterbrechung in der Bundesliga.[2] Wer 2026/27 sonst noch in der Liga spielt, steht auf der Seite Bundesliga 2026/27.

Stadion An der Alten Försterei

Das Stadion in Köpenick wurde am 07.08.1920 eröffnet. Seinen Namen hat es von dem alten Forsthaus in der Nähe, in dem heute unter anderem die Geschäftsstelle sitzt. Das Flutlicht kam im Dezember 2000 dazu.[4] Die Anschrift lautet An der Wuhlheide 263 in 12555 Berlin.[4] Neben Fußballspielen finden auf der Haupttribüne Tagungen, Konzerte und Firmenveranstaltungen statt.[4]

Freiwillige in Arbeitskleidung bauen an einem Sommermorgen neue Betonstufen für eine Stehtribüne
Bild: KI-generiert

Von Juni 2008 bis Juli 2009 wurden die Stehplätze komplett erneuert und überdacht. Mehr als 2.300 Freiwillige leisteten dabei nach Angaben des Vereins 140.000 Arbeitsstunden. Von 2012 bis 2013 entstand die neue Haupttribüne.[4] Heute fasst das Stadion 22.012 Menschen, davon 18.395 auf Stehplätzen und 3.617 auf Sitzplätzen.[4]

Im Juli 2011 gründete Union eine Stadionbetriebs-Aktiengesellschaft, an der sich Mitglieder und Sponsoren mit sogenannten Alte-Försterei-Aktien beteiligen konnten. Eine zweite Ausgabe folgte im Dezember 2024. Später machte der Verein von seinem Vorkaufsrecht aus dem Erbbaurechtsvertrag mit dem Land Berlin Gebrauch und kaufte das Stadiongelände. Es gehört dem Verein damit zum ersten Mal seit der Eröffnung der Sportanlage 1920. Seit Sommer 2023 laufen Bauarbeiten im Umfeld des Stadions. Nach dem ersten Bauabschnitt sollen 37.500 Menschen Platz finden, einen Termin für die Fertigstellung nennt der Verein nicht.[4] Einen Vergleich mit den anderen Arenen findest du unter Die Fußballstadien in Deutschland.

Das Weihnachtssingen

Am 20.12.2003 schlug ein Fan in einem Internetforum vor, sich vor Weihnachten im Stadion zum Singen zu treffen. Am Abend des 23.12.2003 kletterten 89 Anhänger über das Tor und sangen auf den Stufen Weihnachtslieder.[5]

Voll besetzte Stehtribüne bei Nacht mit tausenden Kerzenlichtern und leichtem Schneefall
Bild: KI-generiert

Ein Jahr später kamen mehr als 300 Menschen. Ab 2005 unterstützte die Fan- und Mitgliederabteilung des Vereins das Treffen, dazu sang ein Chor des Emmy-Noether-Gymnasiums. 2012 waren es rund 17.000 Besucher, für 2018 rechnete der Verein mit 28.500.[5] Mehr über Fangruppen und ihre Bräuche steht auf der Seite Ultras und Fankultur.

Das Stadtderby gegen Hertha BSC

Hertha BSC aus dem früheren Westteil der Stadt ist der zweite große Profiverein Berlins. Das erste Bundesligaduell der beiden Clubs fand am 02.11.2019 in Köpenick statt. Union gewann 1:0, Sebastian Polter verwandelte in der 90. Minute einen Foulelfmeter, den Schiedsrichter Deniz Aytekin nach Ansicht der Videobilder gegeben hatte.[7] Die Geschichte des Nachbarn steht bei Hertha BSC.

Union Berlin in der Saison 2026/27

Union spielt 2026/27 in der Bundesliga, Trainer ist Mauro Lustrinelli.[8] Die Frauen des Vereins stiegen 2025 als Meister der 2. Frauen-Bundesliga in die Frauen-Bundesliga auf und spielten 2025/26 dort.[11] Beim 6:0 gegen den FSV Gütersloh kamen 20.132 Zuschauer an die Alte Försterei, ein Vereinsrekord.[11] Wie sich der Frauenfußball in Deutschland entwickelt hat, steht auf der Seite Frauenfußball in Deutschland.

  1. Organisation 60 Years Ago Today: History and anecdotes about the founding of 1. FC Union Berlin. 1. FC Union Berlin. Stand 20.01.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation 1. FC Union Berlin, Vereinsdaten. DFB-Datencenter. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Union Berlin in the DFB-Pokal: moments, finals, upsets. 1. FC Union Berlin. Stand 17.08.2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Stadion An der Alten Försterei. 1. FC Union Berlin. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation The story behind Union's traditional Christmas carols. 1. FC Union Berlin. Stand 18.12.2018. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Union Berlin and head coach Urs Fischer part ways. DFL / bundesliga.com. Stand 15.11.2023. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Loss in Köpenick. Hertha BSC. Stand 02.11.2019. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation 1. FC Union Berlin, Clubseite Bundesliga 2026/27. DFL / bundesliga.com. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation 1. FC Union Berlin gegen VfB Stuttgart, Relegation 2018/19, Rückspiel. DFL / bundesliga.com. Stand 27.05.2019. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Club history: 1906 bis 1910. 1. FC Union Berlin. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  11. Organisation Vor Rekordkulisse: Union Berlin steigt als Meister auf. Deutscher Fußball-Bund. Stand 18.05.2025. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.