Fußballgeschichte und FankulturRatgeber
Skandale im deutschen Fußball von 1971 bis heute
Der größte Skandal der Bundesliga war die Spielmanipulation der Saison 1970/71, für die 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre bestraft wurden. 2005 flog Schiedsrichter Robert Hoyzer auf, der für Wettbetrüger Spiele verpfiff. 2009 folgte ein Wettskandal mit mindestens 200 Spielen in Europa, 2015 begann die Affäre um die WM 2006.

Seit es die Bundesliga gibt, haben mehrere Affären den deutschen Fußball erschüttert. Bei den meisten ging es um Geld: um Bestechung im Abstiegskampf, um Wetten auf manipulierte Spiele oder um Zahlungen rund um die Vergabe eines Turniers. Diese Seite stellt die bekanntesten Fälle vor und hält sich an das, was Sportgerichte, Strafgerichte und Ermittler festgestellt haben.
Der Bundesliga-Skandal 1971
In der Saison 1970/71 kämpften mehrere Vereine gegen den Abstieg, und einige halfen mit Geld nach. Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld blieben in der Liga, weil sie Ergebnisse gekauft hatten.[1]

Ans Licht kam das am 06.06.1971. Horst-Gregorio Canellas, Präsident der Offenbacher Kickers, spielte auf seiner Feier zum 50. Geburtstag Tonbandaufnahmen von Telefonaten vor, in denen es um Bestechung und abgesprochene Spiele ging. Der DFB ließ die Vorwürfe durch seinen Chefankläger Hans Kindermann untersuchen.[1]
Das bekannteste Spiel ist Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld am 17.04.1971. Schalke verlor 0:1, nachdem Bielefeld den Schalker Spielern Geld gezahlt hatte, nach Berichten 2.300 Mark pro Spieler.[9] Auch in anderen Spielen floss Geld. Der Kölner Torwart Manfred Manglitz nahm Geld dafür, Gegentore zuzulassen, und Bielefeld bezahlte auch Spieler aus Braunschweig und von Hertha BSC.[1]
Die Strafen
Ab 1971 bestrafte der DFB 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre. Die Ermittler deckten Bestechungsgelder von rund 1,1 Millionen Mark auf. Zu den bekanntesten bestraften Spielern gehörten Manglitz, Stan Libuda und Klaus Fichtel. Viele Sperren wurden später durch Begnadigungen verkürzt.[1]
Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld verloren ihre Lizenz. Bielefeld musste in die Regionalliga und spielte 1971/72 eine Saison, deren Ergebnisse nicht zählten. Offenbach kehrte 1972 in die Bundesliga zurück, Bielefeld erst 1978. Rot-Weiss Essen war abgestiegen und erhielt keinen Ausgleich.[1] Kritiker meinten später, die Urteile seien wegen der bevorstehenden WM 1974 im eigenen Land zu schnell und zu oberflächlich gefällt worden. Mehrere gesperrte Spieler wechselten nach Südafrika, und 1973 griff ein Tatort die Affäre als Krimistoff auf.[1] Wie die Liga sich bis heute entwickelt hat, steht auf der Seite zur Geschichte der Bundesliga.
Der Fall Hoyzer 2005
Im Januar 2005 wurde dem Schiedsrichter Robert Hoyzer vorgeworfen, Spiele manipuliert zu haben. Er stritt das zunächst ab und gestand am 27.01.2005. Die Polizei durchsuchte in Berlin mehrere Orte, darunter ein Wettcafé. Hoyzer hatte Spiele in der 2. Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Regionalliga so gepfiffen, dass Wetten auf bestimmte Ergebnisse aufgingen. Spiele der Bundesliga waren nicht betroffen.[2]

Das bekannteste Spiel ist die Pokalpartie zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV. Sie wurde nicht wiederholt, weil die folgenden Runden schon gespielt waren. Der HSV erhielt 500.000 Euro und die Einnahmen aus einem Länderspiel als Ausgleich. Das Spiel LR Ahlen gegen Wacker Burghausen wurde dagegen neu angesetzt, die erste Wiederholung im deutschen Fußball wegen einer Straftat.[2]
Der DFB sperrte Hoyzer im April 2005 lebenslang. Im November 2005 verurteilte ihn ein Gericht wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft, der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im Dezember 2006. Ante Sapina, der Kopf der Wettbetrüger, bekam zwei Jahre und elf Monate.[2] Auch der Schiedsrichter Dominik Marks wurde vorläufig gesperrt, weil er nach Feststellung des DFB zwei Spiele manipuliert hatte. Eines davon, ein Regionalligaspiel der zweiten Mannschaften von Hertha BSC und Arminia Bielefeld, wurde wiederholt und endete 6:0.[2]
Der Fall fiel in die Zeit vor der WM 2006 im eigenen Land, entsprechend groß war die Sorge um das Ansehen des deutschen Fußballs. Bundesregierung und Innenministerium sprachen von einem Einzelfall. Medien nannten ihn die größte Affäre im deutschen Fußball seit dem Bundesliga-Skandal von 1971.[2]
Was der DFB danach änderte
Der Verband führte ein Wettverbot für Spieler, Funktionäre und Schiedsrichter ein und baute die Beobachtung der Schiedsrichter aus. Außerdem kündigte er an, den Einsatz von Videobildern auszuweiten. Anträge auf Wiederholung von Spielen, die mit dem Fall zu tun hatten, waren nur bis zum 30.06.2005 möglich.[2] Zwei Schiedsrichter, die ihr Wissen zu spät gemeldet hatten, wurden gesperrt: Torsten Koop für drei Monate, Felix Zwayer für sechs Monate.[2] Was ein Schiedsrichter auf dem Platz entscheiden darf, erklärt die Seite Der Schiedsrichter: Aufgaben und Zeichen.
Der Wettskandal 2009
Im November 2009 machte die Staatsanwaltschaft Bochum einen noch größeren Betrug öffentlich. Die Ermittler waren über abgehörte Telefonate auf ihn gestoßen. Nach ihren Angaben waren seit Anfang 2009 mindestens 200 Spiele in neun europäischen Ländern manipuliert worden, 32 davon in Deutschland.[3]

Wieder standen die Brüder Ante und Milan Sapina im Mittelpunkt. Sie wurden am 19.11.2009 festgenommen und sollen vor allem mit Wetten in Asien rund zehn Millionen Euro verdient haben. In Deutschland gab es 15 weitere Festnahmen und mehr als 50 Durchsuchungen.[3] Betroffen waren Spiele von der 2. Bundesliga bis hinunter in den Jugendbereich, genannt wurden unter anderem Spieler des SSV Ulm und des SC Verl.[3]
Der Fall reichte weit über Deutschland hinaus. In der Schweiz standen 22 Spiele der zweithöchsten Liga unter Verdacht, in Österreich etwa elf. Die UEFA benannte sieben manipulierte Spiele in der Qualifikation zu ihren Wettbewerben, mit Vereinen aus Albanien, Lettland, Slowenien und Ungarn, und sperrte einen ukrainischen Schiedsrichter.[3]
Ante Sapina wurde 2011 verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil 2012 auf, und 2014 folgte ein neues Urteil. Auch Milan Sapina wurde verurteilt, mit einer geringeren Strafe. Weitere Angeklagte bekamen Haftstrafen oder Bewährung.[3]
Die Affäre um die WM 2006
Deutschland bekam die WM 2006 am 06.07.2000 in Zürich zugesprochen, mit 12 zu 11 Stimmen gegen Südafrika. Ein Delegierter aus Neuseeland enthielt sich. Ob dabei ein gefälschtes Bestechungsfax des Satiremagazins Titanic eine Rolle spielte, ist umstritten.[4] 2015 berichtete der Spiegel, die WM sei mutmaßlich gekauft worden. Nach dem Bericht hatte der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem deutschen Bewerbungskomitee rund 10,3 Millionen Schweizer Franken geliehen. 2005 sollen 6,7 Millionen Euro über ein Konto der FIFA an Louis-Dreyfus zurückgeflossen sein.[4]

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schilderte die Vorgänge anders, die FIFA und Theo Zwanziger widersprachen ihm. Am 09.11.2015 trat Niersbach zurück. Eine Untersuchung der Kanzlei Freshfields kam 2016 auf 380 Seiten zu dem Ergebnis, die WM sei nicht gekauft worden. Der Spiegel kritisierte das Gutachten, die Staatsanwaltschaft nannte die Zusammenarbeit des Verbands "stark eingeschränkt".[4] 2017 wurde zudem über eine Zahlung des DFB von 6,7 Millionen Euro an den Katarer Mohamed bin Hammam berichtet.[4]
Wie die Verfahren ausgingen
In der Schweiz klagte die Bundesanwaltschaft 2019 Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt und Urs Linsi an. Das Verfahren wurde im April 2020 wegen Verjährung ohne Urteil eingestellt.[4] In Deutschland erhob die Staatsanwaltschaft Frankfurt 2018 Anklage gegen Zwanziger, Niersbach und Schmidt wegen Steuerhinterziehung. Das Landgericht stellte das Verfahren im Oktober 2022 ein, das Oberlandesgericht hob diesen Beschluss am 20.04.2023 auf, und der Prozess begann 2024.[6] Er endete für Niersbach im September 2024 gegen eine Geldauflage von 25.000 Euro, für Schmidt gegen 65.000 Euro und für Zwanziger am 30.04.2025 gegen 10.000 Euro.[7] Am 25.06.2025 verhängte das Landgericht Frankfurt gegen den DFB Geldbußen von insgesamt 130.000 Euro, 20.000 Euro davon galten wegen der langen Verfahrensdauer als getilgt. Nach Angaben des DFB hielt das Gericht ausdrücklich fest, dass dem Staat insgesamt kein Steuerschaden entstanden ist.[8]
Eine Verurteilung einzelner Personen gab es in der Sache nicht. Franz Beckenbauer leitete damals das Organisationskomitee.[5] Seine Laufbahn beschreibt die Seite über die Fußballlegenden. Wie die Mannschaft das Turnier selbst erlebte, zeigt der Film "Deutschland. Ein Sommermärchen", mehr dazu auf der Seite Fußball im Fernsehen.
Die Fälle im Überblick
| Jahr | Fall | Folgen |
|---|---|---|
| 1971 | Gekaufte Spiele im Abstiegskampf der Bundesliga | 52 Spieler, 2 Trainer, 6 Funktionäre bestraft, Lizenzentzug für Offenbach und Bielefeld |
| 2005 | Schiedsrichter Hoyzer pfeift für Wettbetrüger | Lebenslange Sperre, 2 Jahre und 5 Monate Haft, Wettverbot im DFB |
| 2009 | Mindestens 200 manipulierte Spiele in Europa, 32 in Deutschland | Festnahmen, Haftstrafen für die Brüder Sapina |
| 2015 | Geldflüsse rund um die WM 2006 | Rücktritt Niersbach, Geldbußen gegen den DFB 2025 |
- Bundesliga-Skandal. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Fußball-Wettskandal 2005. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Fußball-Wettskandal 2009. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Fußball-Weltmeisterschaft 2006 (Abschnitt Vergabe und Bestechungsvorwürfe). Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Franz Beckenbauer. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- OLG Frankfurt am Main hebt Einstellungsbeschluss auf: Der Sommermärchen-Prozess geht doch weiter. Legal Tribune Online. Stand 22.05.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Gericht stellt Sommermärchen-Prozess gegen Zwanziger ein. beck-aktuell. Stand 30.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation DFB-Stellungnahme zum Urteil im Bußgeldverfahren zur WM 2006. Deutscher Fußball-Bund. Stand 25.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Saison 1971/1972: Der Bundesliga-Skandal und die Folgen. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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