Fußballregeln einfach erklärtRatgeber
Ecke, Freistoß, Einwurf: Standardsituationen und ihre Regeln
Standardsituationen sind Spielfortsetzungen nach einer Unterbrechung, vor allem Freistoß, Eckstoß, Einwurf und Abstoß. Bei Freistoß und Eckstoß halten die Gegner mindestens 9,15 m Abstand, beim Einwurf 2 m. Aus einem Einwurf kann kein Tor direkt fallen, aus Eckstoß, Abstoß und direktem Freistoß schon.

Ist der Ball im Aus oder hat der Schiedsrichter gepfiffen, geht das Spiel mit einer festgelegten Spielfortsetzung weiter. Regel 8 nennt neben dem Anstoß Freistöße, Strafstöße, Einwürfe, Abstöße und Eckstöße. Passt keine davon, folgt ein Schiedsrichterball [1]. Im Fußballalltag heißen diese Momente Standardsituationen oder kurz Standards, weil der Ball ruht und die Mannschaften sie vorher einüben können.
Ihr Gewicht ist groß. In der Bundesliga-Saison 2024/25 fielen 207 Tore nach ruhenden Bällen, das waren 22 Prozent aller Treffer und zugleich ein Rekordtief [3]. Hier geht es um Freistoß, Eckstoß, Einwurf, Abstoß und Schiedsrichterball. Den Strafstoß erklärt der Ratgeber Elfmeter und Strafraum: die Regeln.
Der Freistoß
Einen Freistoß bekommt eine Mannschaft, wenn der Gegner ein Vergehen begangen hat. Regel 13 unterscheidet den direkten und den indirekten Freistoß. Beim indirekten Freistoß hebt der Schiedsrichter einen Arm über den Kopf und hält ihn oben, bis der Ball einen anderen Spieler berührt hat, im Aus ist oder sicher nicht mehr direkt ins Tor geht [1].

- Geht ein direkter Freistoß direkt ins gegnerische Tor, zählt das Tor.
- Geht ein indirekter Freistoß direkt ins gegnerische Tor, gibt es Abstoß.
- Geht ein Freistoß direkt ins eigene Tor, gibt es Eckstoß für den Gegner.
Hat der Schiedsrichter das Zeichen für den indirekten Freistoß vergessen und der Ball geht direkt ins Tor, wird der Freistoß wiederholt [1]. Welche Vergehen zu welchem Freistoß führen, steht im Ratgeber Fouls, Gelbe und Rote Karte.
Ausführung und Abstand
Ausgeführt wird grundsätzlich dort, wo das Vergehen geschah. Ein indirekter Freistoß für die Angreifer im gegnerischen Torraum wird vom nächsten Punkt auf der Torraumlinie ausgeführt, die parallel zur Torlinie verläuft. Die Verteidiger dürfen einen Freistoß im eigenen Torraum von jedem Punkt dieses Torraums ausführen [1].
Der Ball muss ruhig am Boden liegen. Er ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Bis dahin halten alle Gegner mindestens 9,15 m Abstand, außer sie stehen auf der eigenen Torlinie zwischen den Pfosten. Bei einem Freistoß im Strafraum des Gegners müssen sie außerhalb des Strafraums stehen. Der Schütze darf den Ball mit einem oder beiden Füßen anheben, und Finten zur Täuschung sind ausdrücklich erlaubt [1].
Seit den Regeln 2019/20 gilt eine Vorschrift für die Mauer. Bilden drei oder mehr Verteidiger eine Mauer, müssen alle Angreifer mindestens 1 m Abstand zu ihr halten, bis der Ball im Spiel ist. Wer näher steht, verursacht einen indirekten Freistoß für die Verteidiger [1, 4]. Vorher hatten sich Angreifer gern in die Mauer gestellt, um eine Lücke für den Schuss zu öffnen.
Wenn der Abstand nicht stimmt
Hält ein Gegner den Abstand nicht ein, wird der Freistoß wiederholt, wenn der Schiedsrichter nicht auf Vorteil entscheiden kann. Führt die Mannschaft schnell aus und ein Gegner, der näher als 9,15 m steht, fängt den Ball ab, läuft das Spiel weiter. Wer die Ausführung absichtlich verhindert, wird wegen Spielverzögerung verwarnt [1].
Verlangt die Mannschaft mit dem Freistoß, dass der Abstand hergestellt wird, misst der Schiedsrichter ihn ab und macht klar, dass erst auf seinen Pfiff ausgeführt werden darf. Wird trotzdem vorher geschossen, ist der Freistoß zu wiederholen und der schuldige Spieler zu verwarnen. Auch wer dem Ball entgegenläuft, um den Abstand zu verkürzen, wird verwarnt [1].
Der Eckstoß
Auf Eckstoß entscheidet der Schiedsrichter, wenn der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, kein Tor gefallen ist und ein Verteidiger ihn zuletzt berührt hat. Aus einem Eckstoß kann direkt ein Tor fallen, aber nur ins gegnerische Tor [1].
Der Ball wird in den Eckbereich gelegt, der näher an der Stelle liegt, an der er die Torlinie überquert hat. Er ruht am Boden und wird mit dem Fuß gespielt. Im Spiel ist er, sobald er sich eindeutig bewegt, er muss den Viertelkreis also nicht verlassen. So entsteht die kurze Ecke, bei der ein Mitspieler den Ball nach einem leichten Antippen übernimmt. Die Eckfahne darf nicht verschoben werden, und die Gegner halten mindestens 9,15 m Abstand zum Viertelkreis [1].
Prallt der Ball vom Pfosten direkt zum Schützen zurück, darf er ihn nicht noch einmal spielen, solange kein anderer Spieler ihn berührt hat [1]. Abseits gibt es nach einem Eckstoß nicht, wie der Ratgeber Die Abseitsregel einfach erklärt zeigt.
Eckstoß wegen Zeitspiel
Seit den Regeln 2025/26 gibt es einen Eckstoß, wenn der Torhüter den Ball im eigenen Strafraum länger als acht Sekunden mit den Händen kontrolliert. Der Schiedsrichter zählt die letzten fünf Sekunden mit erhobener Hand herunter. Ausgeführt wird dann im Eckbereich, der näher an der Position des Torhüters lag [1]. Zur Saison 2026/27 kam ein zweiter Fall dazu: Verzögert eine Mannschaft ihren Abstoß, kann sie den Ball ebenfalls per Eckstoß an den Gegner verlieren [2].
Der Einwurf
Überquert der Ball die Seitenlinie vollständig, bekommt der Gegner der Mannschaft, die ihn zuletzt berührt hat, einen Einwurf. Aus einem Einwurf kann kein Tor direkt fallen. Fliegt der Ball ins gegnerische Tor, gibt es Abstoß, landet er im eigenen Tor, gibt es Eckstoß [1].

Beim Einwurf muss der Spieler [1]:
- stehen und mit dem Gesicht zum Spielfeld schauen,
- mit einem Teil jedes Fußes die Seitenlinie oder den Boden außerhalb davon berühren,
- den Ball mit beiden Händen von hinten über den Kopf werfen, und zwar an der Stelle, an der er das Feld verlassen hat.
Die Gegner halten mindestens 2 m Abstand zu dieser Stelle. Wer den Werfer unfair ablenkt oder den Abstand missachtet, wird verwarnt. Der Ball ist im Spiel, wenn er sich im Spielfeld befindet. Berührt er vorher den Boden, wirft dieselbe Mannschaft noch einmal. Ist der Einwurf falsch ausgeführt, wirft der Gegner ein [1]. Kann der Schiedsrichter die Ausführung nicht erkennen, etwa wegen einer Werbebande, lässt der DFB den Einwurf von derselben Mannschaft wiederholen [1].
Ab der Saison 2026/27 darf der Schiedsrichter bei unfair verzögerten Einwürfen einen sichtbaren Countdown von fünf Sekunden starten. Wird bis dahin nicht eingeworfen, geht der Einwurf an den Gegner. Eine Verwarnung gibt es danach nur noch, wenn ein Spieler die Fortsetzung übermäßig verzögert [2].
Der Abstoß
Überquert der Ball die Torlinie, ohne dass ein Tor fällt, und hat ein Angreifer ihn zuletzt berührt, gibt es Abstoß. Die Verteidiger legen den Ball an einen beliebigen Punkt im Torraum und spielen ihn mit dem Fuß. Ein Tor direkt aus dem Abstoß zählt, aber nur im gegnerischen Tor. Geht der Ball direkt ins eigene Tor, bekommt der Gegner einen Eckstoß [1].

Bis 2019 musste der Ball beim Abstoß den Strafraum verlassen. Seit den Regeln 2019/20 ist er im Spiel, sobald er gespielt wurde und sich eindeutig bewegt, und ein Mitspieler darf ihn schon im Strafraum annehmen. Die Gegner müssen draußen bleiben, bis der Ball im Spiel ist [1, 4]. Dasselbe gilt seitdem für Freistöße der Verteidiger im eigenen Strafraum [1].
In der Champions League 2022/23 verließ der Ball bei 44 Prozent der Abstöße den Strafraum nicht, in der Saison 2019/20 waren es 24 Prozent [5]. Die Mannschaften bauen ihr Spiel also deutlich öfter kurz über den Torhüter auf. Wie das taktisch funktioniert, beschreibt der Ratgeber Ballbesitzfußball und Tiki-Taka.
Wie beim Einwurf gibt es ab 2026/27 einen Countdown von fünf Sekunden für verzögerte Abstöße. Wird der Abstoß nicht rechtzeitig ausgeführt, erhält der Gegner einen Eckstoß [2].
Schiedsrichterball
Unterbricht der Schiedsrichter das Spiel ohne Vergehen, zum Beispiel wegen einer Verletzung, geht es mit einem Schiedsrichterball weiter. War der Ball dabei im Strafraum, lässt er ihn vor dem Torhüter der verteidigenden Mannschaft fallen. Außerhalb des Strafraums bekommt ihn ein Spieler der Mannschaft, die in Ballbesitz war oder gekommen wäre. Lässt sich das nicht abschätzen, erhält ihn die Mannschaft, die ihn zuletzt berührt hat [1]. Alle anderen Spieler halten mindestens 4 m Abstand [4].
Die Regeln 2026/27 ergänzen zwei Punkte. Als Mannschaft, die in Ballbesitz gekommen wäre, zählt auch die, die eine Spielfortsetzung bekommen hätte, wenn der Ball ins Aus gegangen wäre. Trifft der Ball einen Schiedsrichter oder eine Person, die nicht zum Spiel gehört, wird er an der Stelle dieser Berührung fallen gelassen [2].
Wie Mannschaften Standards nutzen
Weil der Ball ruht und alle Spieler ihre Positionen einnehmen können, lassen sich Standards planen wie kaum eine andere Spielszene. Bei Eckstößen ist die hohe Flanke in den Strafraum die bekannteste Variante. Daneben gibt es die kurze Ecke, die einen Verteidiger aus dem Strafraum lockt, und den flachen Ball an die Strafraumgrenze für einen Schuss aus der zweiten Reihe.
Beim Freistoß in Tornähe entscheidet der Schütze zwischen einem direkten Schuss über oder neben die Mauer und einem Querpass, der den Schusswinkel verändert. Die Verteidiger antworten bei Ecken mit Manndeckung, bei der jeder einen Gegenspieler übernimmt, mit Raumdeckung, bei der jeder eine Zone sichert, oder mit einer Mischung aus beidem. Lange Einwürfe in den Strafraum wirken ähnlich wie eine Flanke, haben aber einen Vorteil: Aus einem Einwurf kann es kein Abseits geben.
Im Amateurfußball lohnt sich das Training von Standards besonders, weil es wenig Zeit kostet. Schon wenige einstudierte Varianten pro Situation können helfen. Wie sich das in eine Trainingswoche einbauen lässt, steht im Ratgeber Techniktraining im Fußball.
- Organisation Fußball-Regeln 2025/2026, Regeln 8, 12, 13, 15, 16 und 17. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2025/26. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Law changes 2026/27. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Tor-Flut, Elfer-Killer, Joker-Boom! Die Bundesliga-Trends 2024/25. Bundesliga (DFL). Stand 21.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Rule changes 2019/20: handball, penalties, substitutions, wall at free-kicks. Bundesliga (DFL). Stand 18.08.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 2022/23 UEFA Champions League technical report overview: Building from the back and speed kings. UEFA. Stand 18.08.2023. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.

