Fußballtaktik verstehenRatgeber
Positionen im Fußball
Eine Fußballmannschaft hat einen Torhüter und zehn Feldspieler, die sich auf Abwehr, Mittelfeld und Angriff verteilen. Typische Positionen sind Innen- und Außenverteidiger, Sechser, Achter und Zehner im Mittelfeld sowie Flügelspieler und Mittelstürmer im Angriff. Welche Positionen besetzt sind, hängt vom Spielsystem ab.

Elf Spieler stehen bei jeder Mannschaft auf dem Platz, einer davon ist der Torhüter. Die zehn Feldspieler verteilen sich auf Abwehr, Mittelfeld und Angriff, und innerhalb dieser Mannschaftsteile gibt es Positionen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Ein Innenverteidiger braucht andere Stärken als ein Außenverteidiger, ein Sechser andere als ein Zehner.
Welche Positionen eine Mannschaft besetzt, hängt vom Spielsystem ab. Ein 4-4-2 hat zwei Stürmer, ein 4-2-3-1 nur einen, dafür einen Zehner dahinter. Wie die Systeme aufgebaut sind, erklärt der Ratgeber Spielsysteme: 4-4-2, 4-3-3, 3-5-2 und mehr. Hier geht es um die einzelnen Rollen.
| Position | Mannschaftsteil | Hauptaufgabe | klassische Nummer |
|---|---|---|---|
| Torhüter | Tor | Tore verhindern, Abwehr ordnen, Aufbau | 1 |
| Innenverteidiger | Abwehr | Stürmer stoppen, Kopfballduelle, Spieleröffnung | 4, 5 |
| Außenverteidiger | Abwehr | Flügelspieler decken, hinterlaufen | 2, 3 |
| Sechser | Mittelfeld | vor der Abwehr absichern, Bälle erobern | 6 |
| Achter | Mittelfeld | von Strafraum zu Strafraum arbeiten | 8 |
| Zehner | Mittelfeld | Chancen vorbereiten hinter den Spitzen | 10 |
| Flügelspieler | Angriff | Gegenspieler ausspielen, flanken, schießen | 7, 11 |
| Mittelstürmer | Angriff | Tore schießen, Bälle festmachen | 9 |
Torhüter
Der Torhüter soll vor allem Gegentore verhindern. Dazu organisiert er die Abwehr und hilft beim Spielaufbau von hinten. Er trägt eine andere Farbe als seine Mitspieler und ist der einzige Spieler, der den Ball im Strafraum mit den Händen spielen darf [1].

Diese Erlaubnis hat Grenzen. Außerhalb seines Strafraums gelten für ihn beim Handspiel dieselben Regeln wie für jeden Feldspieler. Auch im eigenen Strafraum darf er den Ball nicht in die Hand nehmen, wenn ein Mitspieler ihn absichtlich mit dem Fuß zu ihm gespielt hat oder wenn er direkt aus einem Einwurf eines Mitspielers kommt. Dann gibt es einen indirekten Freistoß für den Gegner. Hält er den Ball länger als acht Sekunden in den Händen, bekommt der Gegner einen Eckstoß [2]. Die Rückpassregel stand bereits in den Fußballregeln 1992/93 [3].
Seitdem spielt der Torhüter viel mehr mit den Füßen. Ein Torhüter, der weit vor seinem Tor steht, lange Bälle hinter die Abwehr abfängt und sich in den Spielaufbau einschaltet, heißt "Sweeper-Keeper". Als Vorbild für diesen Typ nennt bundesliga.com Manuel Neuer [1].
Abwehr
Die Innenverteidiger spielen im Zentrum der Abwehr. Sie sollen gegnerische Stürmer stoppen, decken je nach Vorgabe im Raum oder Mann gegen Mann und eröffnen das Spiel von hinten. Gefragt sind Mut und Kopfballstärke [1]. Die DFB-Analyse der WM 2010 stellte fest, dass sich Innenverteidiger vor allem durch Kopfballstärke auszeichnen und im Zentrum bleiben, statt zu den Seiten durchzuschieben. Die Sicherheit im eigenen Strafraum sei wichtiger als auf den Außenbahnen [5].
Die Außenverteidiger stehen links und rechts in der Abwehrkette. Sie decken die gegnerischen Flügelspieler, unterstützen den Mittelfeldspieler vor ihnen, hinterlaufen ihn bei Angriffen und führen oft die Einwürfe aus [1]. Eine offensivere Form ist der Schienenspieler, auch Wingback genannt. Er bleibt nah an der Seitenlinie, schlägt Flanken und muss bei Bedarf trotzdem die gegnerischen Außen decken. Die Position ist körperlich sehr anstrengend [1].
Innen- und Außenverteidiger bilden zusammen meist eine Viererkette. Schon die DFB-Analyse der WM 2010 nannte sie bei allen Teams Standard. Die vier Spieler verschieben gemeinsam zur Seite des Balls, doppeln den ballführenden Gegner und stellen so Überzahl her [5].
Eine Position, die fast verschwunden war, ist der Libero. Er stand als freier Mann hinter den Innenverteidigern, schloss Lücken und schaltete sich in den Spielaufbau ein. Als Erfinder der Rolle gilt Franz Beckenbauer. Mit der Viererkette wurde der Libero weitgehend überflüssig, heute übernimmt oft der Torhüter seine Aufgaben. Mit den Dreierketten ist die Rolle teilweise zurückgekehrt [1].
Mittelfeld
Der defensive Mittelfeldspieler, meist "Sechser" genannt, spielt direkt vor der Abwehr. Er erobert Bälle, sichert Mitspieler ab und setzt gegnerische Angreifer unter Druck [1]. Viele Spitzenmannschaften spielen mit zwei Sechsern nebeneinander, der sogenannten Doppelsechs. Ein einzelner Sechser kann sich zu weit von den Innenverteidigern entfernen, und hinter ihm entsteht eine Lücke für Konter [6].

Zwischen den beiden Sechsern gibt es eine Aufgabenteilung. Der defensivere hält die Bindung zu den Innenverteidigern, um Kontern vorzubeugen. Der offensivere löst sich nach Ballgewinn von seiner Position, übernimmt die Rolle des Spielmachers und bestimmt den Rhythmus des Spiels, spielt aber nicht unbedingt den letzten Pass. Die deutsche Nationalmannschaft galt mit Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger bei der WM 2010 auf dieser Position als Trendsetter [5].
Eine Sonderform ist der tiefe Spielmacher. Er steht ebenfalls vor der Abwehr, verteilt aber vor allem die Bälle und gibt das Tempo vor, das Zweikämpfen ist bei ihm Nebensache. Als Beispiel nennt bundesliga.com Xabi Alonso [1].
Der zentrale Mittelfeldspieler oder "Achter" arbeitet in beide Richtungen. Er greift an, verteidigt, hält den Ball in den eigenen Reihen, läuft zurück und taucht im gegnerischen Strafraum auf. Für diesen Typ, der von Strafraum zu Strafraum unterwegs ist, steht Lothar Matthäus [1].
Der offensive Mittelfeldspieler oder "Zehner" spielt hinter den Spitzen. Er bereitet Chancen vor und lebt von Technik und Kreativität. Laut bundesliga.com verliert die klassische Zehnerrolle an Bedeutung, weil die Angreifer heute mehr pressen; als aktuelles Beispiel nennt die Seite Jamal Musiala [1]. Die DFB-Analyse der WM 2010 sah die Position hinter den Spitzen dagegen als Ort, an dem mehr Torgefahr entstehen kann als durch den Stoßstürmer allein, und nannte Thomas Müller, Wesley Sneijder und David Villa [5].
Angriff
Der Flügelspieler ist der Angreifer, der am weitesten außen spielt. Er soll Gegenspieler ausspielen, flanken und ist oft der schnellste Spieler der Mannschaft. Der klassische Flügelspieler spielt auf der Seite seines starken Fußes. Der "inverse" Flügelspieler beginnt außen und zieht dann nach innen auf seinen starken Fuß, um zu schießen oder vorzulegen. Bekanntes Beispiel ist Arjen Robben [1].
Ein Flügel ist im Spitzenfußball selten mit nur einem Spieler besetzt. Laut DFB-Analyse verzichtete bei der WM 2010 keine Spitzenmannschaft darauf, die Außenbahnen doppelt zu besetzen. Das erschwert dem Gegner den Weg über die Seite und schafft im Angriff mehr Möglichkeiten. Das Flügelspiel brachte dabei weniger Flanken als früher und endete meist 30 bis 35 Meter vor der Grundlinie mit einem Dribbling oder einem Pass ins Zentrum [5].
Der Mittelstürmer steht am nächsten am gegnerischen Tor. Er soll Tore schießen, Bälle festmachen und die gegnerischen Verteidiger unter Druck setzen; dafür braucht er Körperkraft. Harry Kane lässt sich nach bundesliga.com oft auch tiefer fallen und spielt eine Art "9,5" [1].
Die falsche Neun steht nominell als Mittelstürmer in der Aufstellung, lässt sich aber ins Mittelfeld fallen und zieht die Verteidiger aus ihrer Position. Oft ist es ein umgeschulter Mittelfeldspieler, der dribbeln und Chancen vorbereiten kann. bundesliga.com nennt Mario Götze, der das Siegtor im WM-Finale 2014 erzielte [1]. Dazwischen gibt es den Stürmer, der zwischen Mittelfeld und Abwehr pendelt, in der Nähe des Zehners beginnt und schwerer zu decken ist als ein klassischer Zielspieler. Für diese Rolle steht Thomas Müller [1].
Woher die Rückennummern kommen
Viele Positionen tragen bis heute Nummern als Spitznamen: der Sechser, der Achter, der Zehner, die Neun. Diese Zuordnung geht auf die frühen Formationen zurück. Die schottische Formation von 1877 war ein 2-3-5, und aus ihr leiten sich die typischen Nummern ab: 2 und 3 für die Verteidiger, 4 bis 6 für die defensiven Spieler, 7 bis 11 für die Angreifer [4].

In der Bundesliga trugen die Spieler bis zur Saison 1994/95 die Nummern 1 bis 11, ohne Namen auf dem Trikot. Der Torhüter hatte die 1, die Verteidiger 2 bis 5, die Mittelfeldspieler 6, 7, 8 und 10, die Stürmer 9 und 11 [1]. Einige Positionen sind bis heute mit ihrer Nummer verbunden geblieben, auch wenn sich die Aufgaben durch neue Taktiken verändert haben [1].
Positionswechsel im Spiel
Auf dem Papier haben alle Spieler feste Plätze. Im Spiel verschieben sie sich ständig. Die DFB-Trainer erwarteten schon 2010, dass sich Systeme durchsetzen, deren Positionen nicht starr besetzt sind und sich im Laufe eines Spiels verändern [5]. Ein Sechser lässt sich zwischen die Innenverteidiger fallen, ein Außenverteidiger rückt ins Mittelfeld ein, ein Flügelspieler wird zum zweiten Stürmer. Deshalb bilden Trainer Spieler heute für mehrere Positionen aus. Für die Doppelsechs empfahl die WM-Analyse ausdrücklich, beide Spieler für Abwehr- und Angriffsaufgaben zu schulen [5].
Für Kinder und Jugendliche heißt das: Es lohnt sich, mehrere Positionen auszuprobieren, bevor sich jemand festlegt. Wie der Spielbetrieb in den Altersklassen aufgebaut ist, steht im Ratgeber Jugendfußball: Altersklassen von G bis A. Wie sich die Positionen im Pressing verhalten, erklärt Pressing und Gegenpressing, die Regeln zum Handspiel stehen im Ratgeber Handspiel im Fußball.
- Organisation Soccer positions explained: names, numbers and what they do. Bundesliga (bundesliga.com). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Laws of the Game, Law 12: Fouls and Misconduct. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Laws of the Game 1992/93, Law XII. The International Football Association Board (IFAB), FIFA. Stand 1992. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Fußball-Aufstellung: Erklärung und Bezeichnungen. Bundesliga (bundesliga.com). Stand 02.12.2022. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Analyse der WM 2010: Gestern, Heute, Morgen (Bernd Stöber, Frank Wormuth), Internationaler Trainer-Kongress 2010. Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Stand 2010. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Schnelles Umschalten auf Abwehr und Angriff (Bernd Stöber), Internationaler Trainer-Kongress 2011. Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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