Fußballgeschichte und FankulturRatgeber
Geschichte der Bundesliga: Gründung, Skandale und Rekorde
Der DFB beschloss die Bundesliga am 28.07.1962 in Dortmund, die erste Saison begann am 24.08.1963 mit 16 Vereinen. Erster Meister wurde der 1. FC Köln. Rekordmeister ist der FC Bayern, 2024 wurde Bayer Leverkusen als erste Mannschaft ungeschlagen Meister.

Die Bundesliga ist die höchste Spielklasse im deutschen Fußball. Bevor es sie gab, ermittelten regionale Oberligen ihre besten Mannschaften, die in einer Endrunde den deutschen Meister ausspielten. Den Modus und die Vereine der laufenden Saison findest du auf der Seite Bundesliga 2026/27.
Deutschland zieht spät nach
Im Vergleich zu den Nachbarländern kam die deutsche Profiliga spät. England spielte offiziell professionell ab 1885 und mit einer zentralen Liga ab 1888. Auf dem Kontinent folgten Österreich 1924, die Tschechoslowakei 1925, Ungarn und Italien 1926, Spanien 1928, Frankreich 1932 und Portugal 1934.[1]
Am 28.07.1962 stimmte der außerordentliche DFB-Bundestag in der Dortmunder Westfalenhalle per Hammelsprung mit 103 zu 26 Stimmen für eine "Bundesliga".[1] Vollprofis wollte der Verband trotzdem nicht. Ein Antrag auf Berufsspieler scheiterte mit 49 zu 80 Stimmen. Angenommen wurde mit 91 zu 37 Stimmen der Lizenzspieler, fünf Stimmen über der nötigen Zweidrittelmehrheit.[1]
Lizenzspieler sollten zwischen 250 und 500 DM im Monat verdienen, höchstens 1.200 DM. Mit Zustimmung des DFB waren bis 2.500 DM möglich, Ablösesummen durften 50.000 DM nicht übersteigen.[1]
Die 16 Gründungsvereine
Bis zum Meldeschluss am 31.12.1962 bewarben sich 46 von 74 Oberligisten um einen der 16 Plätze. Verlangt wurden unter anderem ein Stadion mit mindestens 30.000 Plätzen und Flutlicht. Die Plätze wurden nach Regionen verteilt: fünf für den Westen, fünf für den Süden, drei für den Norden, zwei für den Südwesten und einer für Berlin.[1]

1962 standen die ersten neun Teilnehmer fest: Hamburger SV, Werder Bremen, 1. FC Köln, Borussia Dortmund, Schalke 04, Eintracht Frankfurt, 1. FC Nürnberg, Hertha BSC und 1. FC Saarbrücken. Im Mai 1963 folgten Karlsruher SC, VfB Stuttgart, 1. FC Kaiserslautern, TSV 1860 München, Preußen Münster, der Meidericher SV (heute MSV Duisburg) und Eintracht Braunschweig. Den Münchner Platz bekam 1860 statt des FC Bayern, nachdem die Auswahlkommission ihre Kriterien kurzfristig geändert haben soll.[1]
Die erste Saison 1963/64
Am 24.08.1963 startete die Liga mit 16 Mannschaften.[2] Das erste Tor fiel in Bremen: Timo Konietzka traf für Borussia Dortmund nach 58 Sekunden zum 1:0, das Spiel gewann Werder trotzdem mit 3:2.[3] Erster Bundesligameister wurde der 1. FC Köln.[2]
Schon nach zwei Jahren kam der erste Skandal. Hertha BSC hatte Spielern mehr gezahlt, als das Statut erlaubte, und musste am Ende der Saison 1964/65 zwangsweise absteigen. Es ging unter anderem um eine Provision von 12.000 Mark und eine vermutete Zahlung von 120.000 Mark für den Torwart Wolfgang Fahrian.[1] Der DFB stockte die Liga zur Saison 1965/66 auf 18 Vereine auf.[4] Berlin vertrat in dieser Saison Tasmania 1900. Weil der Vizemeister Spandauer SV verzichtete, fiel die Wahl auf den drittplatzierten Berliner Verein.[1] Tasmania erzielte nur 15 Tore, kassierte 108 Gegentore und blieb 31 Spiele in Folge ohne Sieg.[4]
Gleichzeitig zog der DFB die finanziellen Grenzen nach. Nach dem Hertha-Skandal stiegen die erlaubten Hand- und Treuegelder von 10.000 auf 15.000 DM, das Mindestgehalt von 250 auf 400 DM und die Ablösegrenze für Lizenzspieler auf 100.000 DM. Einmalzahlungen bis 20.000 DM waren nun erlaubt.[1]
Der Bundesliga-Skandal von 1971
Die Gehaltsgrenzen hielten in der Praxis kaum jemanden auf. Spitzenspieler verdienten damals etwa das Sechsfache des durchschnittlichen Verdienstes eines Vollzeitbeschäftigten, dazu kamen Scheinjobs und schwarze Kassen. Im Frühjahr 1971 hatten 14 der 18 Bundesligisten ernste Zahlungsprobleme, viele Vereine zahlten fällige Steuern nicht mehr.[5]
In dieser Lage wurden am Ende der Saison 1970/71 Spiele gegen Geld verschoben. Bestraft wurden 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Vereinsfunktionäre, Arminia Bielefeld wurde in die Regionalliga versetzt.[1] Wie der Skandal ans Licht kam und welche Affären später folgten, steht auf der Seite Skandale im deutschen Fußball.
Profifußball ohne Grenzen
In den Jahren danach lockerte der DFB die Regeln. 1972 fielen alle Gehaltsobergrenzen, zwei Jahre später wurden Bundesliga- und Lizenzspielerstatut vereinigt und die Begrenzung der Ablösesummen aufgehoben.[1] Ende 1973 erlaubte der Verband Werbung auf dem Trikot. In der Saison 1974/75 trugen sechs Vereine Werbung, 1979/80 alle Erstligisten. Die Regionalligen darunter ersetzte der DFB durch zwei Staffeln der 2. Bundesliga.[1]

Zur Saison 1991/92 kamen nach der Wiedervereinigung zwei Vereine aus der letzten Oberliga-Saison des Ostens dazu, Hansa Rostock und Dynamo Dresden, die Liga spielte in dieser Saison mit 20 Mannschaften.[1] Wie der Fußball in der DDR organisiert war, erklärt die Seite Fußball in der DDR: die Oberliga, den politischen Rahmen die Wiedervereinigung 1990.
Die DFL und das Geld
Im Herbst 2000 entließ der DFB die Profivereine der beiden Bundesligen aus seiner Kontrolle. Am 18.12.2000 wurde die Deutsche Fußball Liga (DFL) gegründet, die seither den Spielbetrieb der Profis verantwortet.[1] Eine Grenze blieb: Nach der 50+1-Regel muss die Mehrheit der Stimmen an einer ausgegliederten Profiabteilung beim Verein liegen. Ausnahmen gelten für Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, die vor dem 01.01.1999 länger als 20 Jahre erheblich von einem Unternehmen gefördert wurden. Beim FC Bayern hielten externe Investoren zum Zeitpunkt der Untersuchung 2013 rund 20 Prozent. Hannovers Präsident Martin Kind schlug vor, die Regel ganz abzuschaffen.[1]
Wie stark die Liga gewachsen ist, zeigen die Medienerlöse. In der Anfangszeit brachte das Fernsehen knapp eine halbe Million Euro, 2011/12 waren es 546 Millionen Euro, ab 2013/14 rund 628 Millionen Euro im Jahr. Der Umsatz der Liga verdoppelte sich von rund einer Milliarde Euro 2001/02 auf 2,08 Milliarden Euro 2011/12.[6] Laut DFL zahlten die 36 Vereine der beiden Bundesligen in der Saison 2010/11 rund 719 Millionen Euro an Steuern und Abgaben, vier Jahrzehnte nachdem viele Klubs ihre Steuern gar nicht mehr beglichen hatten.[5]
Meister, Serien und Rekorde
Bis April 2024 hatten 13 verschiedene Vereine die Bundesliga gewonnen. Der FC Bayern führte mit 32 Titeln vor Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach mit je fünf, Werder Bremen mit vier sowie dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV mit je drei Titeln. Je zweimal gewannen der 1. FC Köln und der 1. FC Kaiserslautern, je einmal der VfL Wolfsburg, der 1. FC Nürnberg, Eintracht Braunschweig und der TSV 1860 München.[7] Alle Meister seit 1903 stehen auf der Seite Deutsche Meister.

Der 13. Meister war Bayer Leverkusen. Die Mannschaft machte den Titel am 14.04.2024 am 29. Spieltag mit einem 5:0 gegen Werder Bremen perfekt.[7] Unter Trainer Xabi Alonso beendete die Mannschaft im April 2024 die elf Jahre lange Meisterserie des FC Bayern. Zum Zeitpunkt des Titelgewinns war sie in allen 29 Ligaspielen ungeschlagen, das hatte vorher keine Mannschaft geschafft, und in 43 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage.[8] Am letzten Spieltag schlug Leverkusen den FC Augsburg mit 2:1 und war damit die erste Mannschaft, die eine Bundesliga-Saison ohne Niederlage beendete.[9] Danach holte sich der FC Bayern den Titel zurück: 2024/25 gewann er seinen 33. Bundesliga-Titel,[12] 2025/26 entschied er die Meisterschaft am 30. Spieltag mit einem 4:2 gegen den VfB Stuttgart. Für den Verein war es die 35. deutsche Meisterschaft.[10]
Weitere Bestmarken:
- Robert Lewandowski schoss in der Saison 2020/21 für den FC Bayern 41 Tore und übertraf damit die 40 Tore von Gerd Müller aus der Saison 1971/72. Das 41. Tor fiel am 34. Spieltag in der 90. Minute beim 5:2 gegen den FC Augsburg. Müller hatte nach dem 10. Spieltag seiner Rekordsaison erst vier Tore, traf danach in sechs Spielen 13-mal und erzielte sein 40. Tor am 32. Spieltag gegen Mönchengladbach.[11]
- Der Hamburger SV spielte ohne Unterbrechung 54 Jahre und 261 Tage in der Bundesliga. In dieser Zeit bestritt er 1.866 Bundesligaspiele.[14] 2018 stieg er als letztes der 16 Gründungsmitglieder erstmals ab.[13]
- Tasmania Berlin stellte 1965/66 die Negativrekorde unter anderem für die meisten Niederlagen und Gegentore auf.[4]
Die Geschichte des Hamburger SV als langjähriges Gründungsmitglied erzählt die Seite über den Hamburger SV.
- Studie Wegmarken aus 50 Jahren Bundesliga (Dietrich Schulze-Marmeling), APuZ 27-28/2013. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.06.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Historie des DFB. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Timo Konietzka: das erste Bundesliga-Tor. DFL / bundesliga.com. Stand 24.08.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bundesliga club-by-club historical guide: SC Tasmania 1900 Berlin. DFL / bundesliga.com. Stand 11.07.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Die Bundesliga als Objekt wirtschafts- und kulturgeschichtlicher Betrachtungen (Nils Havemann), APuZ 27-28/2013. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.06.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wirtschaftsmacht Bundesliga (Henning Vöpel), APuZ 27-28/2013. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.06.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bayer 04 Leverkusen: der 13. Meister der Bundesliga-Geschichte. DFL / bundesliga.com. Stand 17.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bayer 04 Leverkusen ist Deutscher Meister 2024. DFL / bundesliga.com. Stand 18.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Xabi Alonso's Bayer Leverkusen become first Bundesliga team to go unbeaten throughout a season. DFL / bundesliga.com. Stand 25.05.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Deutscher Meister! FC Bayern schlägt Stuttgart mit 4:2. DFL / bundesliga.com. Stand 19.04.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lewandowski und Gerd Müller: der Rekord im Vergleich. DFL / bundesliga.com. Stand 27.05.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bayerns Meistertitel in Zahlen. DFL / bundesliga.com. Stand 04.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
- HSV-Abstieg fix: Sieg gegen Gladbach reicht nicht. Sport1. Stand 05/2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Traditionell gut: Zum 1887. Mal Bundesliga mit dem HSV. Hamburger SV. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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