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Videoschiedsrichter (VAR): wann er eingreift und wie er arbeitet

Der Video-Assistent (VAR) greift nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen oder übersehenen schweren Vorfällen ein. Erlaubt ist das bei Toren, Strafstößen, direkten Roten Karten und Spielerverwechslungen, seit 2026/27 auch bei Roten Karten nach einer klar falschen zweiten Gelben Karte. Die endgültige Entscheidung trifft immer der Schiedsrichter auf dem Platz.

Ein Schiedsrichter steht von hinten gesehen am Monitor am Spielfeldrand, im Hintergrund warten Spieler unter Flutlicht
Bild: KI-generiert

Der Video-Assistent, kurz VAR für Video Assistant Referee, sitzt nicht auf dem Platz. Er verfolgt das Spiel in einem Videoraum und schaut sich bestimmte Szenen in Wiederholungen an. Findet er einen klaren Fehler, meldet er sich beim Schiedsrichter. Entscheiden muss am Ende immer der Schiedsrichter auf dem Feld [1].

Die Regeln für den VAR stehen im VAR-Protokoll, das im Regelheft direkt nach Regel 17 abgedruckt ist [1]. Einen Überblick über alle Spielregeln bietet die Seite Fußballregeln einfach erklärt.

Die Grundsätze

Das VAR-Protokoll beginnt mit zwölf Grundsätzen. Die wichtigsten davon [1]:

  • Der VAR ist ein Spieloffizieller mit eigenem Zugang zu den Fernsehbildern. Er darf nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen oder bei schwerwiegenden übersehenen Vorfällen helfen.
  • Der Schiedsrichter muss immer zuerst selbst entscheiden. Er darf nicht auf eine Entscheidung verzichten, um sie dem VAR zu überlassen. Auch die Entscheidung, weiterspielen zu lassen, kann überprüft werden.
  • Geändert wird die ursprüngliche Entscheidung nur, wenn die Bilder einen klaren und offensichtlichen Fehler zeigen.
  • Nur der Schiedsrichter kann eine Videoüberprüfung einleiten. Der VAR darf sie nur empfehlen.
  • Für die Überprüfung gibt es keine Zeitgrenze, denn Genauigkeit geht vor Geschwindigkeit.
  • Spieler und Trainer haben keinen Grund, eine Überprüfung zu fordern, weil der VAR jede infrage kommende Szene ohnehin sichtet.

Der VAR hat denselben Rang wie die Schiedsrichterassistenten und berät den Schiedsrichter nur [1]. Was der Schiedsrichter sonst zu tun hat, beschreibt der Ratgeber Der Schiedsrichter: Aufgaben und Zeichen.

Wann der VAR eingreifen darf

Bis zur Saison 2025/26 nannte das Protokoll vier Kategorien. Mit den Regeln 2026/27 hat der IFAB sie erweitert [1, 2].

Tore

Geprüft wird, ob die angreifende Mannschaft beim Herausspielen oder Erzielen des Tors ein Vergehen begangen hat, also Handspiel, Foul oder Abseits. Dazu kommen die Fragen, ob der Ball vorher im Aus war und ob er die Torlinie überquert hat. Auch Vergehen von Torhüter oder Schütze beim Strafstoß fallen darunter [1]. Wie die Abseitsentscheidung mit Technik geprüft wird, erklärt der Ratgeber Die Abseitsregel einfach erklärt.

Strafstöße

Hier geht es um einen zu Unrecht gegebenen oder einen übersehenen Strafstoß. Der VAR prüft außerdem, ob das Vergehen innerhalb oder außerhalb des Strafraums lag und ob die Angreifer vorher selbst ein Vergehen begangen hatten oder der Ball im Aus war [1]. Der Ratgeber Handspiel im Fußball erklärt, wann ein Handspiel im Strafraum zum Elfmeter führt.

Rote Karten

Überprüfbar sind direkte Rote Karten wegen Vereitelns einer offensichtlichen Torchance, groben Foulspiels, einer Tätlichkeit, Beißens oder Anspuckens und wegen anstößiger oder beleidigender Handlungen [1]. Neu seit 2026/27: Auch eine Rote Karte nach einer klar falschen zweiten Gelben Karte darf der VAR prüfen [2]. Gelbe Karten allein bleiben außen vor, außer bei einer Spielerverwechslung.

Spielerverwechslung

Zeigt der Schiedsrichter die Karte dem falschen Spieler der schuldigen Mannschaft, darf der richtige Spieler per Video bestimmt werden. Das eigentliche Vergehen wird dabei nicht neu bewertet, außer es geht um ein Tor, einen Strafstoß oder eine direkte Rote Karte [1, 2].

Eckstöße als Wahlmöglichkeit

Seit 2026/27 dürfen Wettbewerbe zusätzlich erlauben, dass der VAR einen klar falschen Eckstoß korrigiert. Das geht nur sofort und ohne die Ausführung zu verzögern. Ist die Ecke schnell ausgeführt, bleibt es dabei [2]. Ob ein Wettbewerb das nutzt, legt er selbst fest.

Was der VAR nicht prüft

Entscheidungen über die Spielfortsetzung, etwa ob es Eckstoß oder Einwurf gibt, können nach den Spielregeln nicht mehr geändert werden, sobald das Spiel weiterläuft. Ausgenommen ist nur die neue Eckstoß-Regel in Wettbewerben, die sie wählen [1, 2]. Ist das Spiel nach einer Unterbrechung schon fortgesetzt, darf der Schiedsrichter nur noch Spielerverwechslungen und Vergehen prüfen, die einen Feldverweis verdienen, zum Beispiel eine Tätlichkeit oder ein Anspucken [1].

Läuft das Spiel nach einer Szene weiter, die später überprüft wird, bleiben die Karten aus der Zwischenzeit gültig. Das gilt auch, wenn die ursprüngliche Entscheidung geändert wird. Ausnahme ist eine Karte für das Verhindern eines aussichtsreichen Angriffs oder das Vereiteln einer Torchance [1].

Ablauf einer Videoüberprüfung

Das Protokoll unterscheidet zwischen Videosichtung und Videoüberprüfung. Bei der Sichtung, oft "Check" genannt, schaut der VAR automatisch jede Szene an, die mit einem Tor, einem Strafstoß, einer direkten Roten Karte oder einer Verwechslung zu tun hat. Findet er keinen klaren Fehler, muss er das dem Schiedsrichter meist nicht mitteilen. Das Protokoll nennt das stille Videosichtung [1]. Muss der Schiedsrichter die Fortsetzung für einen längeren Check verzögern, hält er einen Finger an den Ohrhörer und streckt den anderen Arm aus [1].

Ein Schiedsrichter zeichnet mit beiden Händen ein Rechteck in die Luft, um ihn herum stehen Spieler
Bild: KI-generiert

Sieht der VAR einen möglichen klaren Fehler, meldet er ihn. Der Schiedsrichter entscheidet dann, ob er eine Überprüfung, den "Review", vornimmt. Läuft das Spiel noch, unterbricht er es, sobald der Ball in einer neutralen Zone ist und keine Mannschaft angreift. Dann zeichnet er mit beiden Händen ein Rechteck in die Luft, das TV-Zeichen [1]. Danach gibt es zwei Wege [1]:

  • Beim On-Field-Review geht der Schiedsrichter zum Monitor am Spielfeldrand und schaut sich die Bilder selbst an. Das ist bei Ermessensfragen üblich, etwa wie schwer ein Foul war, ob ein Spieler im Abseits ins Spiel eingegriffen hat oder ob ein Handspiel strafbar ist.
  • Bei Tatsachenfragen wie dem Ort eines Fouls, der Position eines Spielers beim Abseits oder einem Ball im Aus entscheidet er meist nur auf die Information des VAR hin.

Zeitlupen sind für Tatsachenfragen gedacht, etwa wo ein Kontakt stattfand. Den Schweregrad eines Fouls und ein mögliches Handspiel beurteilt der Schiedsrichter laut Protokoll in normaler Geschwindigkeit [1]. Bei Toren und Strafstößen darf auch die Angriffsphase davor geprüft werden, etwa wie die Angreifer in Ballbesitz gekommen sind [1]. Am Ende macht der Schiedsrichter noch einmal das TV-Zeichen und gibt seine Entscheidung bekannt [1].

Ein Spiel wird grundsätzlich gewertet, auch wenn die Technik ausfällt, der VAR an einer falschen Entscheidung beteiligt war oder der Schiedsrichter auf eine Überprüfung verzichtet hat [1].

Wer im Videoraum sitzt

Der VAR arbeitet im Video Operation Room. Ihm helfen ein oder mehrere Assistenten (AVAR) und Replay-Operatoren, die die Wiederholungen bedienen. Der VAR hört über Funk alles, was die Schiedsrichter auf dem Platz sagen. Mit dem Schiedsrichter sprechen kann er nur, indem er einen Knopf drückt, damit dieser nicht von den Gesprächen im Videoraum abgelenkt wird [1].

Drei Schiedsrichter mit Headsets sitzen in einem abgedunkelten Videoraum vor abgewandten Monitoren
Bild: KI-generiert

Für Bundesliga und 2. Bundesliga sitzen die Video-Assistenten zentral im Video-Assist-Center in Köln-Deutz. An jeder Arbeitsstation arbeiten vier Personen: der VAR, ein AVAR und zwei Operatoren. Die Saison 2026/27 ist die letzte in Köln. Zur Saison 2027/28 zieht der Videoraum in ein neues VAR Center auf dem DFB-Campus in Frankfurt [3].

Durchsagen im Stadion und neue Technik

Seit der Saison 2025/26 erklären die Schiedsrichter ihre Entscheidungen nach einem Review in den Stadien der Bundesliga selbst über die Lautsprecher, in der 2. Bundesliga ab dem 9. Spieltag. Das geschieht, wenn der Schiedsrichter eine Szene am Monitor angesehen oder seine Entscheidung nach einem Hinweis des VAR geändert hat. Er sagt dann, welche Szene geprüft wurde und wie er entscheidet. Die Durchsage läuft auch in den Live-Übertragungen [4].

Eine Kamera unter dem Stadiondach ist bei Flutlicht auf das Spielfeld darunter gerichtet
Bild: KI-generiert

Seit derselben Saison nutzen Bundesliga und 2. Bundesliga die halbautomatische Abseitstechnologie. Spezialkameras verfolgen Spieler und Ball, eine Software berechnet die Positionen und zeichnet eine virtuelle Abseitslinie. Der VAR prüft sie und gibt die Entscheidung an den Schiedsrichter weiter [4]. Seit 2026/27 erlauben die Regeln den Wettbewerben außerdem ausdrücklich Körperkameras für Schiedsrichter. Bilder und Ton daraus dürfen auch Sportgerichte verwenden [2].

Wie der VAR entstanden ist

Der IFAB testete den Video-Assistenten ab 2016 in einem Versuch, den die Universität KU Leuven unabhängig auswertete. Ausgewertet wurden 972 Pflichtspiele und 693 Freundschafts-, Trainings- und Jugendspiele in über 20 Verbänden und Wettbewerben. Der Anteil richtiger Entscheidungen in den überprüfbaren Situationen stieg von 93 auf 98,8 Prozent. Im Schnitt gingen durch den VAR 55 Sekunden Spielzeit verloren. Am 03.03.2018 genehmigte der IFAB einstimmig den Einsatz des Video-Assistenten im Fußball [5].

Laut Bundesliga lief der erste große Einsatz im September 2016 bei einem Pokalspiel in den Niederlanden zwischen Ajax Amsterdam und Willem II. Die Bundesliga arbeitet nach einem einjährigen Testlauf seit der Saison 2017/18 mit dem VAR, die 2. Bundesliga seit 2019/20. In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gibt es keinen Video-Assistenten, weil viele unterklassige Vereine nicht die nötige Infrastruktur haben [3]. Wie lange eine Überprüfung zur Nachspielzeit beiträgt, erklärt der Ratgeber Spielzeit, Nachspielzeit und Verlängerung.

  1. Organisation Fußball-Regeln 2025/2026, VAR-Protokoll. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2025/26. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Law changes 2026/27. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Der VAR beim Fußball: Wann darf er was?. Bundesliga (DFL). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Schiri-Durchsagen, Abseitstechnologie, Handshake-Dialog: Was 2025/2026 neu ist. Deutscher Fußball-Bund. Stand 30.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation VAR discussed at IFAB media briefing. FIFA. Stand 03.03.2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.