Fußballregeln einfach erklärtRatgeber

Die Abseitsregel einfach erklärt

Ein Spieler steht im Abseits, wenn er beim Pass eines Mitspielers in der gegnerischen Hälfte der Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler. Strafbar ist das erst, wenn er ins Spiel eingreift, einen Gegner beeinflusst oder sich einen Vorteil verschafft. Nach Abstoß, Einwurf und Eckstoß gibt es kein Abseits.

Vier Verteidiger in dunklen Trikots rücken am Strafraum in einer Linie vor, ein Angreifer steht knapp dahinter
Bild: KI-generiert

Das Abseits sorgt auf dem Platz und auf den Rängen oft für Streit. Der Kern der Regel passt trotzdem in zwei Sätze. Ein Angreifer steht im Abseits, wenn er in dem Moment, in dem ein Mitspieler den Ball spielt, in der gegnerischen Hälfte der Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler. Bestraft wird das aber erst, wenn er aktiv ins Spiel eingreift [1].

Die Abseitsregel ist Regel 11 der 17 Fußballregeln. Einen Überblick über alle Regeln findest du auf der Seite Fußballregeln einfach erklärt.

Wann steht ein Spieler im Abseits?

Regel 11 trennt zwei Dinge: die Abseitsstellung und das Abseitsvergehen. Wer in Abseitsstellung steht, hat damit noch nichts falsch gemacht [1]. In einer Abseitsstellung befindet sich ein Spieler, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

Taktiktafel mit roten und blauen Magneten auf einem gezeichneten Spielfeld, eine Hand verschiebt einen Magneten
Bild: KI-generiert
  • Er ist mit irgendeinem Teil von Kopf, Rumpf oder Beinen in der gegnerischen Hälfte. Die Mittellinie selbst zählt nicht dazu.
  • Mit irgendeinem Teil von Kopf, Rumpf oder Beinen ist er der gegnerischen Torlinie näher als der Ball und der vorletzte Gegenspieler.

Hände und Arme werden bei keinem Spieler berücksichtigt, auch beim Torhüter nicht. Als obere Grenze des Arms gilt die Unterkante der Achselhöhle [1, 2]. Wer auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Gegenspieler oder mit den letzten beiden Gegenspielern steht, ist nicht im Abseits [1].

Der vorletzte Gegenspieler ist meistens der letzte Feldspieler vor dem eigenen Torhüter. Die Regel spricht aber nur von Gegenspielern, der Torhüter zählt also mit. Ist er weit aus seinem Tor gelaufen, können zwei Feldspieler die letzten beiden Gegenspieler sein, und maßgeblich ist der vorletzte von ihnen [1].

Der entscheidende Moment

Es zählt der Augenblick, in dem ein Mitspieler den Ball spielt oder berührt. Wo der Angreifer steht, wenn der Ball später bei ihm ankommt, ist egal. Bei einem Pass ist der erste Kontakt mit dem Ball maßgebend, bei einem Abwurf des Torhüters der letzte [1].

Daraus erklären sich viele Streitfälle. Bei einem Steilpass legen Angreifer und Verteidiger bis zur Ballannahme oft mehrere Meter zurück. Wer nur auf die Szene bei der Annahme schaut, sieht dann ein klares Abseits, obwohl der Stürmer beim Pass noch auf gleicher Höhe war.

Wann wird Abseits gepfiffen?

Ein Spieler in Abseitsstellung wird nur bestraft, wenn er aktiv am Spiel teilnimmt. Die Regel nennt dafür drei Wege [1]:

Schiedsrichterassistent an der Seitenlinie hebt seine Fahne, davor unscharf Spieler unter Flutlicht
Bild: KI-generiert
  • Er greift ins Spiel ein, indem er den Ball spielt oder berührt, den ein Mitspieler zuletzt gespielt hat.
  • Er beeinflusst einen Gegner. Das ist der Fall, wenn er ihm eindeutig die Sicht versperrt, mit ihm um den Ball kämpft, eindeutig versucht, einen Ball in seiner Nähe zu spielen, oder durch eine eindeutige Aktion die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, an den Ball zu kommen.
  • Er verschafft sich einen Vorteil, indem er einen Ball spielt, der vom Pfosten, von der Latte, von einem Schiedsrichter oder von einem Gegner zurückgeprallt ist, oder den ein Gegner bei einer Torverhinderungsaktion abgewehrt hat.

Auf ein Abseitsvergehen folgt ein indirekter Freistoß für die verteidigende Mannschaft an der Stelle, an der das Vergehen geschah. Das gilt auch dann, wenn diese Stelle in der eigenen Hälfte des Angreifers liegt [1].

Auf dem Platz zeigt meist der Schiedsrichterassistent an der Seitenlinie das Abseits an. Der DFB erläutert dazu: Wird ein Ball offensichtlich zu einem Spieler in Abseitsposition gespielt und kann nur dieser ihn erreichen, hebt der Assistent sofort die Fahne. Laufen zwei Spieler dem Ball nach, von denen nur einer im Abseits stand, wartet er, bis klar ist, wer eingreift [1]. Was der Schiedsrichter sonst anzeigt, erklärt der Ratgeber Der Schiedsrichter: Aufgaben und Zeichen.

Wenn der Gegner den Ball spielt

Ein häufiger Streitpunkt ist der Ball, der vom Gegner zum Angreifer im Abseits kommt. Spielt ein Verteidiger den Ball absichtlich, auch durch ein absichtliches Handspiel, verschafft sich der Angreifer daraus keinen Vorteil im Sinne der Regel. Anders ist es, wenn der Verteidiger einen Ball abwehrt, der ins Tor oder sehr nah ans Tor gegangen wäre. Das ist eine Torverhinderungsaktion, und das Abseits bleibt strafbar [1].

Ob ein Spieler den Ball absichtlich gespielt hat, beurteilt der Schiedsrichter nach mehreren Merkmalen. Der Ball hat eine gewisse Strecke zurückgelegt und der Spieler hatte freie Sicht auf ihn. Der Ball war nicht schnell und kam aus einer zu erwartenden Richtung. Der Spieler hatte Zeit, seine Bewegung zu koordinieren, und musste nicht instinktiv reagieren. Ein flacher Ball ist leichter zu spielen als einer in der Luft. Auch ein ungenauer Pass oder ein misslungener Klärungsversuch zählt als absichtliches Spielen [1].

Bei Fouls kommt es auf die Reihenfolge an. Wird ein Spieler in Abseitsstellung gefoult, bevor er den Ball spielt oder um ihn kämpft, ahndet der Schiedsrichter das Foul. Spielt er den Ball bereits oder steckt er schon im Zweikampf, als er gefoult wird, wird das Abseits gepfiffen, weil es zuerst geschah [1]. Mehr zu Fouls steht im Ratgeber Fouls, Gelbe und Rote Karte.

Wann es kein Abseits gibt

Erhält ein Spieler den Ball direkt nach einem Abstoß, einem Einwurf oder einem Eckstoß, liegt kein Abseitsvergehen vor [1]. Freistöße stehen nicht in dieser Liste, dort gilt die Regel also wie im laufenden Spiel. Kein Abseits ist außerdem möglich, wenn der Angreifer in der eigenen Hälfte steht oder sich beim Pass hinter dem Ball befindet, etwa bei einem Rückpass. Wie Ecke, Einwurf und Freistoß ablaufen, steht im Ratgeber Ecke, Freistoß, Einwurf.

Zwei Sonderfälle betreffen Spieler, die das Feld verlassen. Geht ein Verteidiger ohne Erlaubnis vom Platz, gilt er für die Abseitsregel weiter als auf der Tor- oder Seitenlinie stehend. Das dauert bis zur nächsten Unterbrechung oder bis seine Mannschaft den Ball in Richtung Mittellinie gespielt hat und der Ball den Strafraum verlassen hat. Ein Angreifer darf dagegen vom Feld gehen, um zu zeigen, dass er nicht eingreift. Kommt er von der Torlinie zurück und beteiligt sich am Spiel, gilt er als auf der Torlinie stehend [1].

Drei typische Szenen

Steilpass hinter die Abwehr

Ein Mittelfeldspieler spielt einen langen Ball in die Tiefe. Beim Pass steht der Stürmer mit dem Oberkörper einen halben Meter näher an der Torlinie als der letzte Verteidiger vor dem Torhüter. Er läuft los und nimmt den Ball an. Das ist strafbares Abseits, denn er spielt aus der Abseitsstellung heraus den Ball [1].

Fernschuss mit einem Spieler im Abseits

Ein Spieler schießt aus 25 Metern aufs Tor. Ein Mitspieler steht im Abseits, aber weit seitlich vom Torhüter, bewegt sich nicht zum Ball und steht nicht in dessen Sichtlinie. Das Tor zählt, weil er weder den Ball gespielt noch einen Gegner beeinflusst hat. Steht derselbe Spieler direkt vor dem Torhüter und nimmt ihm die Sicht, ist es strafbares Abseits [1].

Missglückter Kopfball eines Verteidigers

Ein Verteidiger will einen hohen Ball ohne Bedrängnis wegköpfen, trifft ihn aber schlecht. Der Ball fällt einem Angreifer vor die Füße, der beim letzten Pass im Abseits stand. Weil der Verteidiger den Ball absichtlich gespielt hat, wird kein Abseits gepfiffen. Hätte er einen Torschuss auf der Linie abgewehrt, wäre es weiterhin Abseits [1].

Abseits und Videobeweis

Im Profifußball prüft der Video-Assistent nach jedem Tor, ob davor ein strafbares Abseits lag. Abseits fällt unter die Kategorie "Tor/kein Tor", in der der VAR bei klaren Fehlentscheidungen eingreifen darf [1]. Seit dem Saisonstart 2025/26 nutzen Bundesliga und 2. Bundesliga die halbautomatische Abseitstechnologie. Spezialkameras verfolgen Spieler und Ball, eine Software berechnet daraus die Positionen und zeichnet eine virtuelle Abseitslinie. Der VAR prüft diese Linie und gibt die Entscheidung an den Schiedsrichter weiter [4]. In einigen internationalen Wettbewerben läuft die Technik seit der Saison 2022/23 [5].

Zwei Schiedsrichter mit Headsets sitzen in einem abgedunkelten Videoraum vor abgewandten Monitoren
Bild: KI-generiert

In den Spielregeln 2026/27 hat der IFAB Regel 11 nicht verändert. Neu ist in Regel 5, dass Wettbewerbe Technik für Abseitsentscheidungen ausdrücklich einsetzen dürfen [3]. Wann der Video-Assistent sonst eingreift, erklärt der Ratgeber Videoschiedsrichter (VAR).

Wie die Abseitsregel entstanden ist

Eine Abseitsregel stand schon in den ersten englischen Fußballregeln von 1863. Damals durften Mitspieler nur nach hinten angespielt werden. 1866 wurde die Regel gelockert: Ein Angreifer war nicht im Abseits, wenn mindestens drei verteidigende Spieler zwischen ihm und der Torlinie standen. Diese Fassung galt bis 1925, danach reichten zwei. Seit 1907 gibt es kein Abseits mehr in der eigenen Hälfte, und seit 1990 ist gleiche Höhe ausdrücklich kein Abseits [5].

2005 ging es um das passive Abseits. Die FIFA testete beim Konföderationen-Pokal eine Auslegung, die sich nicht bewährte. Der DFB setzte zur Saison 2005/06 eine abgeschwächte Fassung um, die FIFA übernahm sie zur WM 2006 [5]. Zuständig für die Regeln ist seit 1886 der International Football Association Board, dem die vier britischen Verbände und seit 1913 die FIFA angehören [6].

Die Abseitsfalle

Verteidiger nutzen die Regel auch gezielt. Bei der Abseitsfalle rückt die Abwehrkette kurz vor dem Pass gemeinsam nach vorn, sodass die Angreifer plötzlich in Abseitsstellung stehen. Das gelingt nur, wenn alle Verteidiger gleichzeitig herausrücken. Bleibt einer zurück, steht der Angreifer regelgerecht und läuft frei auf das Tor zu. Mannschaften, die früh angreifen, verteidigen oft mit einer hohen Abwehrlinie. Wie das zusammenhängt, zeigt der Ratgeber Pressing und Gegenpressing.

  1. Organisation Fußball-Regeln 2025/2026, Regel 11 Abseits und Regel 5 (VAR). Deutscher Fußball-Bund. Stand 2025/26. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Laws of the Game, Law 11: Offside. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Law changes 2026/27. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Schiri-Durchsagen, Abseitstechnologie, Handshake-Dialog: Was 2025/2026 neu ist. Deutscher Fußball-Bund. Stand 30.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Abseitsregel. Wikipedia. Stand 04.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Background. The International Football Association Board (IFAB). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.