Fußballgeschichte und FankulturRatgeber
Geschichte des DFB: Gründung, NS-Zeit, Einheit und Affären
Der Deutsche Fußball-Bund wurde am 28.01.1900 in Leipzig gegründet. Nach der Eingliederung in den NS-Sport löste er sich 1940 auf und wurde nach dem Krieg neu gegründet, 1950 kehrte er in die FIFA zurück. Heute hat er über 8,2 Millionen Mitglieder in rund 23.700 Vereinen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) organisiert den Fußball in Deutschland von der Kreisliga bis zur Nationalmannschaft. In seinen Landesverbänden waren zum Stichtag 31.12.2025 genau 8.277.918 Mitglieder in 23.713 Vereinen gemeldet, dazu kamen 144.007 Mannschaften.[7] Seine Geschichte beginnt in einem Leipziger Gasthaus und führt durch zwei Diktaturen, die Teilung und die Wiedervereinigung.
Gründung 1900 in Leipzig
Am 28.01.1900 trafen sich im Restaurant "Zum Mariengarten" in Leipzig Vertreter von 86 Vereinen und Verbänden zum ersten allgemeinen deutschen Fußballtag.[1, 2] Anwesend waren nur 36 Männer, weil viele von ihnen gleich mehrere Vereine vertraten. Gegen die Gründung stimmte unter anderem der Berliner Verband, die Befürworter setzten sich aber durch.[2] Den Namen "Deutscher Fußball Bund" brachte Walther Bensemann ein, der damals 27 Jahre alt war und sechs Vereine vertrat; von Prager Seite war "Allgemeiner Deutscher Fußballbund" vorgeschlagen worden.[2] Bensemann gründete 1920 die Fachzeitschrift "Kicker".[2] Erster Präsident wurde Ferdinand Hueppe, mit 47 Jahren der Älteste der Versammlung.[3]
Der Verband hatte zunächst wenig Geld und keine eigene Geschäftsstelle. 1910 lag sie im Wohnhaus des ersten Geschäftsführers Walter Sanß in Dortmund, später in Kiel, Berlin und Stuttgart.[1]
Die ersten Jahrzehnte
1903 spielte der DFB erstmals einen deutschen Meister aus. Der VfB Leipzig gewann das Endspiel mit 7:2 gegen den DFC Prag.[1] Am 21.05.1904 trat der Verband der FIFA bei. Das erste Länderspiel fand am 05.04.1908 in Basel statt und endete 3:5 gegen die Schweiz.[1]

1932 hatte der DFB erstmals mehr als eine Million Mitglieder.[1] Wie der Spielbetrieb damals in Landesverbänden und Endrunden organisiert war, zeigt der Überblick zu den deutschen Meistern seit 1903.
Der DFB im Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme 1933 wurde der DFB in die Sportstrukturen des NS-Staats eingegliedert. Anders als seine Mitgliedsverbände bestand er zunächst weiter.[1] Schon am 09.04.1933 unterzeichneten 14 süd- und südwestdeutsche Vereine die sogenannte Stuttgarter Erklärung. Sie boten der neuen Regierung ihre Mitarbeit an, vor allem bei der Entfernung jüdischer Mitglieder. Unter den Unterzeichnern waren der Karlsruher FV, Phönix Karlsruhe, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Nürnberg, die SpVgg Fürth und der 1. FC Kaiserslautern.[4]
Am 19.04.1933 veröffentlichte der DFB im "Kicker" eine Erklärung, nach der Juden und Angehörige der marxistischen Bewegung in führenden Positionen der Verbände und Vereine "nicht tragbar" seien. Eine allgemeine Anordnung zum Ausschluss jüdischer Mitglieder gab es im Fußball nicht, die Umsetzung überließ der Verband den Vereinen.[4] Der frühere Nationalspieler Julius Hirsch, Mitglied des Karlsruher FV seit 1902, las am 10.04.1933 in der Zeitung von den Plänen und trat aus, bevor man ihn ausschließen konnte.[4] Hirsch hatte sieben Länderspiele bestritten; 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert.[5]
1935 übernahm der DFB einen neuen Pokalwettbewerb, der nach Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten benannt wurde und der Vorläufer des heutigen DFB-Pokals ist. Zum 01.07.1940 löste sich der DFB auf und wurde aus dem Vereinsregister gelöscht.[1] Lange hat sich der Verband mit dieser Zeit kaum befasst. Genauer untersucht hat die Rolle des Verbands der Historiker Nils Havemann in seiner Studie "Fußball unterm Hakenkreuz".[3] Den politischen Hintergrund erklärt geschichte.domain-root.de.
Neuanfang nach dem Krieg
1945 schloss die FIFA Deutschland aus. Die deutschen Meisterschaften 1949 und 1950 wurden bereits wieder im Namen des DFB ausgetragen. Am 22.09.1950 beschloss das FIFA-Exekutivkomitee die Wiederaufnahme, rechtsverbindlich neu gegründet wurde der DFB am 21.01.1951 in Stuttgart.[1] Die erste Geschäftsstelle nach dem Krieg entstand im Januar 1950 in Stuttgart, seit 1951 sitzt der Verband in Frankfurt am Main.[3]

Vier Jahre später folgte der erste große Erfolg. Im WM-Finale 1954 in Bern schlug die Mannschaft von Bundestrainer Sepp Herberger und Kapitän Fritz Walter den Favoriten Ungarn, das entscheidende Tor im Wankdorf-Stadion schoss Helmut Rahn.[1] Im Radio kommentierte Herbert Zimmermann das Finale.[1]
Bundesliga und Frauenfußball
Am 28.07.1962 beschloss der außerordentliche DFB-Bundestag in der Dortmunder Westfalenhalle die Einführung der Bundesliga, mit 103 zu 26 Stimmen.[6] Die erste Saison begann am 24.08.1963 mit 16 Mannschaften, erster Meister wurde der 1. FC Köln.[1] Wie die Liga sich bis heute entwickelt hat, beschreibt die Geschichte der Bundesliga. Im Herbst 2000 entließ der DFB die Profivereine der beiden Bundesligen aus seiner direkten Kontrolle, am 18.12.2000 wurde die Deutsche Fußball Liga (DFL) gegründet.[6] Sie organisiert seither den Profifußball und ist Mitglied im DFB.[8]
1955 verbot der DFB seinen Vereinen, Frauenfußball zu betreiben oder zu fördern. Erst am 31.10.1970 nahm er den Frauenfußball in seine Satzung auf.[1] Später gewann die Frauen-Nationalmannschaft 2003 und 2007 die Weltmeisterschaft, 2011 richtete der DFB die Frauen-WM erstmals selbst aus.[1] Die Entwicklung bis heute zeigt die Seite Frauenfußball in Deutschland.
Die Titel der Nationalmannschaften
Nach dem Erfolg von Bern dauerte es 18 Jahre bis zum nächsten großen Titel. 1972 wurde die Mannschaft Europameister, im Finale traf Gerd Müller zweimal, ein weiteres Tor schoss Herbert Wimmer. Zwei Jahre später folgte bei der Heim-WM der zweite Weltmeistertitel mit einem 2:1 gegen die Niederlande, die Tore erzielten Paul Breitner und Gerd Müller.[1]
1980 gewann die Mannschaft von Bundestrainer Jupp Derwall die EM mit einem 2:1 gegen Belgien, beide Tore schoss Horst Hrubesch. 1990 holte das Team von Teamchef Franz Beckenbauer in Rom den dritten WM-Titel, Andreas Brehme verwandelte den entscheidenden Foulelfmeter. Den EM-Titel 1996 entschied Oliver Bierhoff mit dem ersten Golden Goal bei Männern.[1] 2014 folgte in Brasilien der vierte Stern: Nach einem 7:1 im Halbfinale gegen den Gastgeber gewann Deutschland das Finale gegen Argentinien 1:0 nach Verlängerung, Mario Götze traf in der 113. Minute.[1] Wie die vier WM-Turniere im Einzelnen liefen, steht auf der Seite zu den WM-Titeln 1954, 1974, 1990 und 2014.
Fußball-Einheit 1990
In der DDR hatte der Deutsche Fußball-Verband (DFV) einen eigenen Ligabetrieb mit eigener Nationalmannschaft geführt. Nach der Wiedervereinigung wurde der DFV am 20.11.1990 aufgelöst, sein Nachfolger, der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV), trat kurz darauf dem DFB bei.[1] Am 21.11.1990 besiegelten Hans-Georg Moldenhauer für den DFV und DFB-Präsident Hermann Neuberger in Leipzig die Fußball-Einheit.[5] Wie der Fußball im Osten bis dahin organisiert war, erklärt die Seite Fußball in der DDR: die Oberliga.
Heim-WM 2006 und die Sommermärchen-Affäre
2006 richtete Deutschland die Männer-WM aus, die Mannschaft von Jürgen Klinsmann wurde Dritter.[1] Die Vergabe des Turniers holte den Verband später ein. Im April 2005 hatte der DFB 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen. Das Geld floss auf ein Konto von Robert Louis-Dreyfus und entsprach einem Darlehen, das Franz Beckenbauer 2002 erhalten hatte. Verbucht wurde die Zahlung als Beitrag zu einer WM-Eröffnungsgala, die nie stattfand, und ein Jahr später als Betriebsausgabe.[9]
Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte den DFB am 25.06.2025 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldbuße von 130.000 Euro, von denen es 20.000 Euro wegen überlanger Verfahrensdauer erließ. Die Verfahren gegen die früheren Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt wurden gegen Geldauflagen eingestellt. Der DFB legte Revision beim Bundesgerichtshof ein, das Urteil ist deshalb nicht rechtskräftig.[9, 10]
Der DFB heute
Unter dem DFB stehen fünf Regionalverbände (Nord, Nordost, West, Süd und Südwest) und 21 Landesverbände. Dazu kommt die DFL als Mitglied für den Profifußball.[8] Die Landesverbände organisieren den Spielbetrieb der Amateure von der Kreisliga aufwärts. Der DFB-Bundestag wählt alle vier Jahre das Präsidium, dem 15 Mitglieder angehören.[8] Gemeinsam mit der DFL betreibt der DFB seit dem 01.01.2022 die DFB Schiri GmbH, an der er 51 Prozent und die DFL 49 Prozent hält.[8]

Die größten Landesverbände nach Mitgliedern sind Bayern mit 1.840.553 und Westfalen mit 1.110.771 Mitgliedern. Bei den Mannschaften liegen ebenfalls Bayern mit 24.192 und Niedersachsen mit 18.148 vorn.[7] 2019 beschloss der DFB-Bundestag eine Strukturreform, mit der Geschäftsbereiche in eine neue DFB GmbH wechselten. Seit 2022 arbeitet der Verband auf seinem Campus in Frankfurt, der Verwaltung, Sport und Wissenschaft an einem Ort zusammenführt.[1] 2024 richtete der DFB die Europameisterschaft der Männer aus, die vom 14.06. bis 14.07.2024 dauerte; die Mannschaft schied im Viertelfinale gegen den späteren Europameister Spanien aus.[1] In seinen ersten 125 Jahren hatte der DFB 14 Präsidenten, alle Männer. Seit dem 11.03.2022 ist Bernd Neuendorf Präsident, im November 2025 wurde er einstimmig wiedergewählt.[11]
- Organisation Historie des DFB. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 125 Jahre DFB: Die Gründerväter. Deutscher Fußball-Bund. Stand 18.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
- 125 Jahre DFB: Aus dem Wirtshaus zum größten Sportverband (Frank Hellmann). ZDFheute. Stand 24.01.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Auf den Spuren von Julius Hirsch. Deutscher Fußball-Bund. Stand o. J.. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Juden im deutschen Fußball (Franz-Josef Brüggemeier), Informationen zur politischen Bildung "Fußball, mehr als ein Spiel". Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 04.05.2006. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wegmarken aus 50 Jahren Bundesliga (Dietrich Schulze-Marmeling), APuZ 27-28/2013. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 24.06.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Mitglieder-Statistik 2026. Deutscher Fußball-Bund. Stand Stichtag Vereine und Mitglieder 31.12.2025, Mannschaften 01.10.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation About DFB: Structure. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
- LG Frankfurt: DFB muss im Sommermärchen-Prozess zahlen. beck-aktuell. Stand 25.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Vom LG Frankfurt zum BGH: DFB legt Revision gegen Sommermärchen-Urteil ein. Legal Tribune Online. Stand 09.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bernd Neuendorf als DFB-Präsident wiedergewählt. Deutscher Fußball-Bund. Stand 07.11.2025. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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