Fußballgeschichte und FankulturRatgeber

Deutschlands WM-Titel 1954, 1974, 1990 und 2014

Deutschland ist viermal Fußball-Weltmeister geworden: 1954 in Bern mit 3:2 gegen Ungarn, 1974 in München mit 2:1 gegen die Niederlande, 1990 in Rom mit 1:0 gegen Argentinien und 2014 in Rio de Janeiro mit 1:0 nach Verlängerung, wieder gegen Argentinien. Nur Brasilien hat mit fünf Titeln mehr.

Leeres Stadion in der Abendsonne von der oberen Tribüne aus, Flutlicht an, leichter Regen über dem Rasen
Bild: KI-generiert

Vier Sterne trägt die deutsche Nationalmannschaft auf dem Trikot, einen für jeden WM-Titel. Gewonnen hat sie 1954, 1974, 1990 und 2014. Dazu kommen vier zweite und vier dritte Plätze, so viele WM-Medaillen hat kein anderes Land [1]. Mehr Titel als Deutschland hat nur Brasilien mit fünf; Italien kommt ebenfalls auf vier [2].

JahrFinaleErgebnisTrainerKapitän
1954Bern, Wankdorfstadion3:2 gegen UngarnSepp HerbergerFritz Walter [3, 4]
1974München, Olympiastadion2:1 gegen die NiederlandeHelmut SchönFranz Beckenbauer [5]
1990Rom, Stadio Olimpico1:0 gegen ArgentinienFranz BeckenbauerLothar Matthäus [6]
2014Rio de Janeiro, Maracanã1:0 n. V. gegen ArgentinienJoachim LöwPhilipp Lahm [7]

1954 in Bern: das Wunder von Bern

Ungarn galt 1954 als beste Mannschaft der Welt. Das Team war seit 31 Länderspielen ungeschlagen und Olympiasieger von 1952. In der Vorrunde hatte es die deutsche Mannschaft mit 8:3 geschlagen [4]. Das Finale am 04.07.1954 im Wankdorfstadion begann für Deutschland schlecht: Ferenc Puskás traf in der 6. Minute, Zoltán Czibor in der 8. Minute zum 0:2 [3, 4].

Alter brauner Lederball mit Schnürung auf nassem, schlammigem Rasen, daneben alte Fußballschuhe mit Schraubstollen
Bild: KI-generiert

Zwei Minuten später verkürzte Max Morlock, in der 18. Minute glich Helmut Rahn aus. Rahn schoss in der 84. Minute auch das 3:2. Kurz danach traf Puskás noch einmal, doch Schiedsrichter William Ling erkannte das Tor nach Fahnenzeichen seines Linienrichters wegen Abseits nicht an. Die Fernsehbilder dazu sind bis heute nicht eindeutig [3, 4]. Laut DFB sahen 62.471 Menschen das Spiel [3].

In der deutschen Startelf standen Torhüter Toni Turek sowie Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Jupp Posipal, Horst Eckel, Charly Mai, Fritz Walter, Max Morlock, Helmut Rahn, Hans Schäfer und Ottmar Walter [3]. Kapitän der Ungarn war Ferenc Puskás, der sich im Vorrundenspiel gegen Deutschland einen Haarriss am Knöchel zugezogen hatte und im Finale trotzdem spielte [4].

Gespielt wurde bei starkem Regen. In der deutschen Mannschaft hieß solches Wetter "Fritz-Walter-Wetter". Adidas hatte die Deutschen mit Schuhen ausgestattet, deren Stollen sich wechseln ließen [4]. Berühmt wurde auch die Radioreportage von Herbert Zimmermann zum Siegtor [4]. Anders als die Ungarn, die als Vollprofis spielten, waren die deutschen Spieler Halbprofis, viele hatten nebenher einen Beruf oder ein eigenes Geschäft [4].

1974 in München: Weltmeister im eigenen Land

Die WM 1974 fand in der Bundesrepublik statt. 16 Mannschaften spielten zuerst in vier Gruppen, danach in zwei Zwischenrundengruppen. Halbfinale gab es nicht, die beiden Gruppensieger bestritten das Endspiel [8]. In der Vorrunde kam es zum einzigen WM-Spiel zwischen Bundesrepublik und DDR: Am 22.06.1974 gewann die DDR in Hamburg durch ein Tor von Jürgen Sparwasser in der 77. Minute mit 1:0 [8]. Die Bundesrepublik zog trotzdem in die Zwischenrunde ein. Dort gewann sie unter anderem mit 1:0 gegen Polen, das Tor schoss Gerd Müller in der 76. Minute [8].

Geschwungenes transparentes Zeltdach eines Stadions aus den 1970er Jahren vor einem Sommerabendhimmel
Bild: KI-generiert

Das Finale am 07.07.1974 im Münchner Olympiastadion begann mit einem Strafstoß für die Niederlande. Johan Neeskens verwandelte in der 2. Minute, noch bevor ein deutscher Spieler den Ball berührt hatte. Die beiden Strafstöße dieses Spiels waren die ersten, die es in einem WM-Finale gab. Der Anpfiff hatte sich übrigens verzögert, weil die Platzwarte die Eckfahnen entfernt und vergessen hatten, sie wieder aufzustellen [5]. Paul Breitner glich in der 25. Minute per Strafstoß aus, Gerd Müller schoss in der 43. Minute das 2:1 [5, 18]. Für Müller war es das letzte Tor im Nationaltrikot, er trat nach dem Turnier aus der Nationalmannschaft zurück. Es war sein 14. Tor bei Weltmeisterschaften [5, 8].

Auf der Gegenseite standen Trainer Rinus Michels und Kapitän Johan Cruyff. Die Bundesrepublik war zu dieser Zeit auch Europameister, den Titel hatte sie 1972 gewonnen [5]. Im Münchner Finale wurde zum ersten Mal der heutige WM-Pokal überreicht, eine Arbeit von Silvio Gazzaniga [8, 9].

1990 in Rom: Beckenbauers zweiter Titel

Bei der WM in Italien mit 24 Mannschaften gewann die Bundesrepublik ihre Gruppe mit 4:1 gegen Jugoslawien, 5:1 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und 1:1 gegen Kolumbien [10]. Im Achtelfinale in Mailand schlug sie die Niederlande mit 2:1. Rudi Völler und Frank Rijkaard flogen dort nach 22 Minuten vom Platz. Es folgten ein 1:0 gegen die Tschechoslowakei durch einen Elfmeter von Lothar Matthäus und im Halbfinale in Turin ein 1:1 nach Verlängerung gegen England, das Deutschland im Elfmeterschießen mit 4:3 gewann [10].

Das Finale am 08.07.1990 in Rom war die Wiederholung des Endspiels von 1986, das Argentinien gewonnen hatte. Lange stand es 0:0. In der 65. Minute sah Pedro Monzón als erster Spieler in einem WM-Finale die Rote Karte, in der 87. Minute folgte Gustavo Dezotti. Den Siegtreffer erzielte Andreas Brehme in der 85. Minute per Elfmeter [6]. Argentinien war damit der erste Titelverteidiger, der ein Finale verlor, und der erste Finalist ohne eigenes Tor. Die Bundesrepublik stand zum dritten Mal in Folge im Endspiel, das hatte vorher keine Mannschaft geschafft. Mit nur einem Tor war es damals das torärmste WM-Finale [6]. Geleitet wurde es von dem Mexikaner Edgardo Codesal, Kapitän der Argentinier war Diego Maradona [6].

Trainer Franz Beckenbauer war 1974 Kapitän gewesen. Er gehört zu den drei Männern, die die WM als Spieler und als Trainer gewonnen haben, neben dem Brasilianer Mário Zagallo und dem Franzosen Didier Deschamps [19]. Für die Bundesrepublik war es die letzte WM, wenige Monate später folgte im Oktober 1990 die Wiedervereinigung [10]. Wie sich der Fußball in der DDR bis dahin entwickelt hatte, erzählt der Ratgeber Fußball in der DDR: die Oberliga.

2014 in Rio: der erste Titel als vereintes Deutschland

In Brasilien spielten 32 Mannschaften in 64 Spielen an zwölf Spielorten [11]. Titelverteidiger Spanien schied bereits in der Gruppenphase aus [11]. Deutschland gewann seine Gruppe mit 4:0 gegen Portugal, 2:2 gegen Ghana und 1:0 gegen die USA, schlug im Achtelfinale Algerien mit 2:1 nach Verlängerung und im Viertelfinale Frankreich mit 1:0 [11]. Im Halbfinale am 08.07.2014 folgte das 7:1 gegen Gastgeber Brasilien. Miroslav Klose erzielte in diesem Spiel in der 23. Minute sein 16. WM-Tor und überholte damit den Brasilianer Ronaldo. Für Klose war es die vierte WM nach 2002, 2006 und 2010 [12].

Stadion bei Nacht in einer tropischen Stadt, Konfetti über dem Rasen, Zuschauer als bunte Menge auf den Rängen
Bild: KI-generiert

Das Finale am 13.07.2014 im Maracanã gegen Argentinien blieb 90 Minuten torlos. In der 113. Minute nahm der eingewechselte Mario Götze eine Flanke von André Schürrle mit der Brust an und traf mit links [7]. Es war der vierte deutsche Titel und der erste seit der Wiedervereinigung. Erstmals gewann eine europäische Mannschaft eine WM auf dem amerikanischen Kontinent [7]. Götze wurde zum Spieler des Spiels gewählt, Manuel Neuer erhielt den Preis für den besten Torhüter des Turniers. Als bester Spieler wurde Lionel Messi ausgezeichnet, der Kapitän des unterlegenen Finalgegners [7]. Die WM in Brasilien war die erste mit Torlinientechnik und mit dem Freistoßspray, das die Abstände markiert [11].

Was die vier Titel gemeinsam haben

Alle vier Endspiele gewann Deutschland mit einem Tor Unterschied, zwei davon mit 1:0. In zwei Finals lag Deutschland zurück: 1954 mit 0:2, 1974 mit 0:1 [3, 5]. Zweimal hieß der Gegner Argentinien [6, 7].

Viermal stand Deutschland außerdem im Finale und verlor: 1966 mit 2:4 nach Verlängerung gegen England, 1982 mit 1:3 gegen Italien, 1986 mit 2:3 gegen Argentinien und 2002 mit 0:2 gegen Brasilien. Dritter wurde die Mannschaft 1934, 1970, 2006 und 2010 [15]. Bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022 schied sie jeweils in der Vorrunde aus, 2026 in der Runde der letzten 32 [15, 17]. Die Geschichte der Mannschaft zwischen den Titeln erzählt der Ratgeber Die deutsche Nationalmannschaft.

Auch die Frauen haben zwei WM-Titel gewonnen, 2003 und 2007 [13]. Ihre Geschichte erzählt der Ratgeber Frauenfußball in Deutschland.

Klose und der Torrekord

Mit 16 Treffern in 24 WM-Spielen zwischen 2002 und 2014 war Miroslav Klose lange der beste Torschütze der WM-Geschichte [12, 14]. Bei der WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA zog Kylian Mbappé an ihm vorbei. Nach dem Turnier stand der Franzose bei 22 Toren, Lionel Messi bei 21; Klose ist seitdem Dritter [14]. Weltmeister 2026 wurde Spanien, das damit seinen zweiten Titel gewann [16]. Wie Weltmeisterschaft und Europameisterschaft heute ablaufen, erklärt der Ratgeber Weltmeisterschaft und Europameisterschaft.

Welche Google-Doodles zu Weltmeisterschaften und anderen Sportereignissen erschienen sind, zeigt die Seite Doodles zu Olympia, WM und Sport.

  1. Organisation Champions Garden: Germany. FIFA Museum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. FIFA World Cup. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Datencenter: FIFA-WM 1954, Finale BR Deutschland gegen Ungarn. Deutscher Fußball-Bund. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. 1954 FIFA World Cup final. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. 1974 FIFA World Cup final. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. 1990 FIFA World Cup final. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. 2014 FIFA World Cup final. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  8. 1974 FIFA World Cup. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation FIFA celebrates 120th anniversary of foundation in Paris. FIFA. Stand 21.05.2024. abgerufen am 29.10.2026
  10. 1990 FIFA World Cup. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  11. 2014 FIFA World Cup. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  12. Miroslav Klose. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  13. Organisation Historie. Deutscher Fußball-Bund. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Kylian Mbappé ist Torschützenkönig der WM 2026. Euronews. Stand 20.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  15. Germany at the FIFA World Cup. Wikipedia. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  16. Torres macht Spanien zum Weltmeister, Messis Argentinien entthront. Sportschau (ARD). Stand 20.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  17. Organisation Germany knocked out on penalties by Paraguay. Deutscher Fußball-Bund. Stand 30.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
  18. Organisation FIFA-WM 1974, Finale Niederlande gegen BR Deutschland. Deutscher Fußball-Bund. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  19. Didier Deschamps Becomes Third to Win World Cup as Player and Manager. Sports Illustrated. Stand 15.07.2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.