Fußballvereine der 1. bis 3. LigaRatgeber

FC St. Pauli: Geschichte, Millerntor-Stadion und Fankultur

Der FC St. Pauli spielt in der Saison 2026/27 in der 2. Bundesliga, nachdem er 2025/26 als Tabellenletzter aus der Bundesliga abgestiegen ist. Der Verein aus Hamburg wurde am 15.05.1910 gegründet, trägt Braun und Weiß und spielt im Millerntor-Stadion mit 29.546 Plätzen. In der Bundesliga war er bisher zehn Spielzeiten lang.

Kompaktes Fußballstadion zwischen alten Backsteinhäusern und einem großen Betonbunker an einem grauen Nachmittag
Bild: KI-generiert

Der FC St. Pauli spielt in der Saison 2026/27 in der 2. Bundesliga. Nach zwei Jahren in der Bundesliga stieg er im Mai 2026 als Tabellenletzter ab.[1, 4, 5] Der Verein aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli ist oft auf- und abgestiegen und hat in der Bundesliga bisher zehn Spielzeiten verbracht. Bekannt ist er für sein Stadion mitten im Kiez und für den Totenkopf, den Fans in den 1980er Jahren mitbrachten. Die Ligazugehörigkeit haben wir am 29.10.2026 geprüft.

Gründung im Turnverein

Fußball wurde in St. Pauli zuerst im Hamburg-St. Pauli Turnverein von 1862 gespielt, nach Angaben des Vereins ab 1907. Braun und Weiß legte die Abteilung 1909 als Farben fest. 1910 trat sie dem Norddeutschen Fußball-Verband bei, 1911 folgten die ersten Punktspiele.[1] Der DFB führt den 15.05.1910 als Gründungsdatum.[3] Selbstständig wurde die Fußballabteilung erst 1924, als sie sich vom Turnverein trennte und als FC St. Pauli neu gründete.[1]

1919 stieg die Mannschaft zum ersten Mal in die höchste Spielklasse auf und gleich wieder ab. Es folgten Aufstiege 1930 und 1936 und Abstiege 1933 und nach Kriegsbeginn.[1]

Wunder-Elf und Regionalliga

Nach dem Krieg lockte Karl Miller mit den Fleischvorräten der Schlachterei seiner Eltern in der Wexstraße, unweit des Millerntors, zahlreiche gute Spieler zum FC St. Pauli. 1946 wurde ein neues Stadion auf dem Heiligengeistfeld eingeweiht. Die "Wunder-Elf" wurde 1947 Hamburger Stadtmeister und scheiterte 1948 im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft.[1]

1960 begann der Bau des heutigen Stadions. Als 1963 die Bundesliga startete, nahm der DFB den FC St. Pauli nicht auf. Er spielte in der Regionalliga Nord, wurde dort Meister und scheiterte mehrmals in den Aufstiegsrunden. 1974 kam er in die neue 2. Bundesliga, 1977 wurde er dort Meister und stieg zum ersten Mal in die Bundesliga auf.[1]

Erste Bundesliga, Lizenzentzug und Neuanfang

Die erste Bundesligasaison 1977/78 endete mit dem Abstieg. Obwohl die Mannschaft die Zweitligasaison 1978/79 als Sechster beendete, entzog der DFB dem Verein 1979 die Lizenz. Er musste in der Amateur-Oberliga Nord antreten. Unter dem neuen Präsidenten Wolfgang Kreikenbohm baute St. Pauli ab 1979 eine Mannschaft aus Amateuren und A-Junioren auf. 1981 wurde sie Meister der Oberliga, durfte aber nicht aufsteigen, weil die 2. Bundesliga gerade eingleisig wurde.[1]

1984 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga, 1985 der Abstieg und 1986 der nächste Aufstieg. Nach einer verlorenen Relegation gegen Homburg stieg die Mannschaft 1988 in die Bundesliga auf: Dirk Zander schoss am letzten Spieltag in Ulm das entscheidende Tor.[1] In der Saison 1988/89 wurde St. Pauli Zehnter der Bundesliga, damals die beste Platzierung des Vereins. Am 02.03.1991 gewann die Mannschaft 1:0 in München, verlor am Ende der Saison aber die Relegation gegen die Stuttgarter Kickers, entschieden in einem Spiel auf Schalke.[1]

Weltpokalsieger-Besieger und die Retter

1995 führte Uli Maslo die Mannschaft zurück in die Bundesliga, 1997 stieg sie als Letzter ab. 2001 gelang ein Aufstieg, den kaum jemand erwartet hatte, mit einem entscheidenden Tor von Deniz Baris in Nürnberg.[1] Die Saison 2001/02 endete wieder mit dem Abstieg. Ein Spiel davon blieb aber im Gedächtnis: Am 06.02.2002 schlug St. Pauli am Millerntor den FC Bayern, damals amtierender Weltpokalsieger, mit 2:1. Der Sieg brachte dem Verein den Beinamen "Weltpokalsieger-Besieger" ein.[1]

Stapel brauner T-Shirts und ein Spendenkarton aus Pappe auf einem Tresen in einer gemütlichen Kneipe
Bild: KI-generiert

Ein Jahr später stürzte der Verein in die Regionalliga ab, in den Kassen fehlten rund 1,9 Millionen Euro. Für die Zulassung verlangte der DFB eine Liquiditätsreserve von 1,95 Millionen Euro. St. Pauli verkaufte dafür sein Jugendleistungszentrum am Brummerskamp für 720.000 Euro, dazu kamen Bürgschaften einer Bank. Fans und Verein starteten die Aktion "Retter" mit T-Shirts, einem Benefizspiel, Spenden und Aktionen in Kneipen. In der Regionalliga-Saison 2003/04 verkaufte der Verein 11.700 Dauerkarten.[1]

2006 kam St. Pauli als Drittligist bis ins Halbfinale des DFB-Pokals und unterlag dort dem FC Bayern. 2007 stieg die Mannschaft unter Trainer Holger Stanislawski in die 2. Bundesliga auf, 2010 in die Bundesliga.[1] Wie Pokalrunden ausgelost werden, steht auf der Seite DFB-Pokal: Modus, Rekordsieger und Finale.

13 Jahre zweite Liga und zwei Jahre Bundesliga

In der Saison 2010/11 gewann St. Pauli das Hamburger Stadtderby gegen den Hamburger SV mit 1:0, Gerald Asamoah schoss das Tor. Am Ende der Saison stieg der Verein als Letzter ab, Stanislawski verließ den Klub.[1] Es folgten 13 Jahre in der 2. Bundesliga.

In diesen Jahren wechselten die Trainer oft, und die Mannschaft pendelte zwischen Aufstiegsrennen und Abstiegskampf. 2011/12 wurde St. Pauli unter André Schubert Vierter und verpasste die Relegation knapp. 2014/15 rettete sich die Mannschaft unter Ewald Lienen erst auf den letzten Metern, ein Jahr später wurde sie unter ihm wieder Vierter. 2017/18 stand der Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag fest. Timo Schultz übernahm 2020, seine Mannschaft wurde 2021/22 Fünfter.[1] Im Dezember 2022 übernahm Fabian Hürzeler, seine Mannschaft gewann zehn Spiele in Folge, ein Rekord in der zweiten Liga.[1] Am 12.05.2024 machte ein 3:1 gegen den VfL Osnabrück Aufstieg und Zweitliga-Meisterschaft perfekt. Es war der sechste Aufstieg in die Bundesliga.[1]

Hürzeler wechselte danach nach Brighton, Alexander Blessin übernahm. In der Saison 2024/25 kassierte St. Pauli nur 41 Gegentore, die zweitwenigsten der Liga, und holte am vorletzten Spieltag bei Eintracht Frankfurt den vorentscheidenden Punkt zum Klassenerhalt.[1] Die Saison 2025/26 begann mit einem Last-Minute-Remis gegen Borussia Dortmund, einem Derbysieg im Volkspark und einem Heimsieg gegen den FC Augsburg. Danach verlor die Mannschaft neun Ligaspiele in Folge, so viele wie noch nie in der Vereinsgeschichte.[1] Am letzten Spieltag, dem 16.05.2026, verlor die Mannschaft zu Hause 1:3 gegen den VfL Wolfsburg und beendete die Saison mit 26 Punkten auf Platz 18.[1, 4] In der ewigen Tabelle der Bundesliga steht St. Pauli auf Platz 31.[6]

Das Millerntor-Stadion

Das Millerntor-Stadion liegt am Heiligengeistfeld, nahe dem Bunker an der Feldstraße und dem Kiez rund um die Reeperbahn.[2] Der Verein hat es Tribüne für Tribüne erneuert: 2007 die Südtribüne, 2010 die Haupttribüne, Anfang 2013 die Gegengerade und von Oktober 2014 bis Juli 2015 die Nordkurve.[2] Die neue Süd- und die neue Haupttribüne brachten zusammen rund 4.600 Plätze mehr. Mit der fertigen Gegengerade stieg die Kapazität 2013 von 24.487 auf 29.063. Für Gäste mit Geschäftskarten gibt es 39 Séparées und zwei Ballsäle, einen in der Haupt- und einen in der Südtribüne.[2]

Steile Stehtribüne in einem kleinen modernen Stadion mit Wellenbrechern, im Hintergrund Lichter der Stadt
Bild: KI-generiert

Seitdem hat das Stadion 29.546 Plätze, davon 16.940 Stehplätze und 12.606 Sitzplätze. Gästefans stehen in der Nordkurve, der nächste U-Bahnhof ist Feldstraße.[2] Welche Stadien in Deutschland größer sind, zeigt die Seite Die Fußballstadien in Deutschland. Wer Hamburg vor oder nach dem Spiel mit dem Rad erkunden will, findet Touren auf der Seite Hamburg mit dem Rad.

Der Totenkopf und die Fans

Der Totenkopf stammt von den Rängen. Mitte der 1980er Jahre bildete sich am Millerntor eine neue Fanszene, in der Zeit, als der Verein aus der Oberliga zurück in den Profifußball kam. Ein Fan mit dem Spitznamen "Doc Mabuse" brachte als Erster eine Fahne mit Totenkopf ins Stadion, ein Symbol aus der Piratentradition.[1] Der Fanladen, gegründet 1989/90, verkaufte Artikel mit dem Totenkopf, als der Verein selbst das noch nicht tat. Die Rechte lagen zunächst beim Gestalter Steph Braun und gingen dann an die Vermarktungsgesellschaft des Vereins, seit Oktober 2000 gehören sie dem Verein. Auf den Trikots erschien der Totenkopf in der Saison 2000/01. Der Verein beschreibt diesen Weg selbst als Entwicklung vom Rebellsymbol zur geschützten Marke.[1]

Fans von hinten auf einer Stehtribüne in der Abenddämmerung, die Arme erhoben, mit braun-weißen Schals über den Köpfen, Flutlicht an
Bild: KI-generiert

Wie Fanszenen und Ultras in Deutschland entstanden sind, erklärt die Seite Ultras und Fankultur.

St. Pauli in der Saison 2026/27

Der FC St. Pauli ist eine von 18 Mannschaften der 2. Bundesliga 2026/27, gemeinsam mit dem 1. FC Heidenheim, dem zweiten direkten Absteiger, und dem VfL Wolfsburg, der die Relegation gegen den SC Paderborn 07 verlor.[4, 7, 8] Trainer ist laut Bundesliga Marcel Rapp, Stand 29.10.2026.[5] Den Kader nennen wir hier nicht, weil er sich mit jeder Wechselperiode ändert. Modus und Teilnehmer der Liga stehen auf der Seite 2. Bundesliga 2026/27: Vereine und Modus, alle Vereine der drei Profiligen unter Fußballvereine der 1. bis 3. Liga.

  1. Organisation Vereinshistorie. FC St. Pauli. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Millerntor-Stadion. FC St. Pauli. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation FC St. Pauli von 1910 e. V., Vereinsprofil. DFB-Datencenter. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Bundesliga 2025/26, 34. Spieltag und Abschlusstabelle. DFB-Datencenter. Stand 16.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation FC St. Pauli, Clubseite 2. Bundesliga 2026/27. Bundesliga (bundesliga.com). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Ewige Tabelle Bundesliga. DFB-Datencenter. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Paderborn steigt in die Fußball-Bundesliga auf. ZDFheute. Stand 25.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation 2. Bundesliga 2026/27, 9. Spieltag und Tabelle. DFB-Datencenter. Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.