Fußballregeln einfach erklärtRatgeber

Der Schiedsrichter: Aufgaben und Zeichen

Der Schiedsrichter leitet das Spiel mit voller Befugnis, seine Entscheidungen zu Tatsachen sind endgültig. Ihm helfen zwei Assistenten an den Seitenlinien, im Profifußball zusätzlich ein vierter Offizieller und der Video-Assistent. Mit Pfiff, Armzeichen und Karten zeigt er Freistöße, Vorteil, Strafstoß und persönliche Strafen an.

Schiedsrichter in schwarzer Kleidung pfeift von hinten gesehen und streckt einen Arm nach vorn
Bild: KI-generiert

Jedes Fußballspiel wird von einem Schiedsrichter geleitet. Regel 5 gibt ihm die volle Befugnis, die Spielregeln durchzusetzen. Seine Entscheidungen zu Tatsachen, etwa ob ein Tor erzielt wurde, sind endgültig. Respektiert werden müssen auch die Entscheidungen aller anderen Spieloffiziellen [1].

Einen Überblick über alle Regeln gibt die Seite Fußballregeln einfach erklärt.

Was der Schiedsrichter entscheiden darf

Der Schiedsrichter entscheidet nach bestem Wissen im Sinne der Regeln. Eine Entscheidung zur Spielfortsetzung kann er nur ändern, solange das Spiel noch nicht fortgesetzt wurde. Hat er eine Halbzeit beendet und das Feld verlassen oder das Spiel abgebrochen, ist das ebenfalls nicht mehr möglich. Eine Ausnahme gilt, wenn er nach dem Halbzeitpfiff zur Review Area geht, um sich eine Szene am Bildschirm anzusehen [1].

Karten zeigen darf er nach der Regel ab dem Betreten des Spielfelds zur Platzkontrolle bis zum Verlassen nach dem Spiel, auch in der Halbzeitpause und im Elfmeterschießen. Im DFB-Spielbetrieb sind Verwarnungen und Feldverweise erst möglich, nachdem Schiedsrichter und Spieler zum Anstoß das Feld betreten haben, Ausschlüsse schon ab der Platzkontrolle [1]. Begehen Spieler gleichzeitig mehrere Vergehen, bestraft er das schwerste. Maßstab sind die Strafe, die Spielfortsetzung, die körperliche Härte und die taktische Wirkung [1]. Über Szenen, die er selbst nicht gesehen hat, entscheidet er auf Hinweis der anderen Spieloffiziellen [1].

Seine Aufgaben während des Spiels

Der Schiedsrichter ist zugleich Zeitnehmer. Er notiert Tore und Strafen und schickt den zuständigen Stellen einen Spielbericht [1]. Er bestimmt auch die Nachspielzeit, mehr dazu im Ratgeber Spielzeit, Nachspielzeit und Verlängerung. Bei einem Foul kann er Vorteil geben und weiterspielen lassen. Tritt der Vorteil nicht sofort oder innerhalb weniger Sekunden ein, bestraft er das ursprüngliche Vergehen [1]. Seit 2026/27 darf er auch bei einer falsch ausgeführten Spielfortsetzung Vorteil geben, etwa wenn ein Einwurf von der falschen Stelle kommt [3, 5].

Ist ein Spieler leicht verletzt, läuft das Spiel weiter, bis der Ball aus dem Spiel ist. Bei einer ernsthaften Verletzung unterbricht er und lässt den Spieler vom Feld bringen [1]. Nach den Regeln 2026/27 muss ein Spieler, der auf dem Feld behandelt wurde, nach der Fortsetzung eine Minute draußen bleiben. Ausnahmen gelten unter anderem für Torhüter, für Zusammenstöße und für Verletzungen nach einem Foul, für das der Gegner eine Karte gesehen hat [3, 4].

Das DFB-Regelheft ergänzt einige praktische Vorgaben. Lässt das Wetter die Sicht von einem Tor zum anderen nicht mehr zu, darf der Schiedsrichter nicht anpfeifen oder muss abbrechen. Eine Unterbrechung wegen des Wetters soll 30 Minuten nicht überschreiten. Erscheint eine Mannschaft nicht, darf sich der Anstoß um höchstens 45 Minuten verzögern [1].

Das Schiedsrichterteam

Regel 6 nennt die weiteren Spieloffiziellen, die einem Schiedsrichter helfen können. Die endgültige Entscheidung trifft immer er selbst [1].

Drei Schiedsrichter in schwarzer Kleidung laufen von hinten gesehen aus dem Stadiontunnel auf den Rasen
Bild: KI-generiert
SpieloffiziellerAufgaben
zwei Schiedsrichterassistentenzeigen an, wenn der Ball das Feld verlassen hat und wer Einwurf, Eckstoß oder Abstoß bekommt, außerdem strafbares Abseits, Auswechslungen und das zu frühe Verlassen der Torlinie durch den Torhüter beim Elfmeter
vierter Offiziellerbeaufsichtigt Auswechslungen, Ausrüstung und Ersatzbälle, zeigt die Mindestnachspielzeit an und meldet Fehlverhalten in der technischen Zone
zwei zusätzliche Schiedsrichterassistentenstehen an der Torlinie und zeigen an, ob der Ball sie überquert hat
Ersatz-Schiedsrichterassistentspringt ein, wenn ein anderer Spieloffizieller ausfällt
Video-Assistent (VAR) und Assistent des VARprüfen Tore, Strafstöße, direkte Rote Karten, Verwechslungen und seit 2026/27 auch eindeutig falsche zweite Gelbe Karten auf klare Fehler

Im Amateurfußball pfeift der Schiedsrichter oft allein. Werden keine neutralen Assistenten eingesetzt, stellt jeder Verein einen. Diese Vereinsassistenten zeigen normalerweise nur an, ob der Ball die Seitenlinie überschritten hat [1]. Was der Video-Assistent genau prüft, erklärt der Ratgeber Videoschiedsrichter (VAR).

Die Zeichen des Schiedsrichters

Die Pfeife ist das wichtigste Werkzeug. Pflicht ist der Pfiff zum Anstoß jeder Halbzeit und nach einem Tor, zur Unterbrechung für einen Freistoß oder Strafstoß, am Ende jeder Halbzeit und zur Fortsetzung nach einer Karte, einer Verletzung oder einer Auswechslung. Bei einem klaren Abstoß, Eckstoß oder Einwurf braucht es keinen Pfiff [1]. Das Regelheft warnt ausdrücklich vor zu vielen Pfiffen, weil der Pfiff sonst an Wirkung verliert, wenn er nötig ist [1].

Zu den festgelegten Zeichen gehören Armzeichen für direkten und indirekten Freistoß, Strafstoß, Vorteil, Eckstoß und Abstoß sowie die Gelbe und die Rote Karte [1, 2]. Einen indirekten Freistoß zeigt der Schiedsrichter an, indem er einen Arm über den Kopf hebt. Er hält den Arm oben, bis ein anderer Spieler den Ball berührt hat oder der Ball sicher nicht mehr direkt ins Tor gehen kann [1].

Dazu kommen Zeichen aus der Videotechnik. Hält der Schiedsrichter einen Finger ans Ohr und streckt den anderen Arm aus, wartet er auf das Ergebnis einer Videosichtung. Mit dem TV-Zeichen kündigt er eine Überprüfung am Bildschirm an. Nach der Überprüfung zeigt er es noch einmal, bevor er seine endgültige Entscheidung gibt [1, 2]. Seit 2025/26 zählt er außerdem mit erhobener Hand die letzten fünf Sekunden herunter, wenn der Torhüter den Ball festhält. Mit den Regeln 2026/27 macht er das auch bei verzögerten Einwürfen und Abstößen [1, 3].

Die Fahnenzeichen der Assistenten

Die Fahne soll für den Schiedsrichter immer sichtbar und ausgerollt sein und wie eine Verlängerung des Arms wirken. Der Assistent bleibt stehen, nimmt Blickkontakt auf und hebt die Fahne ruhig, ohne zu fuchteln [1]. Die wichtigsten Zeichen [1]:

Schiedsrichterassistent an der Seitenlinie hält eine karierte Fahne senkrecht nach oben
Bild: KI-generiert
  • Abseits: Der Assistent hebt die Fahne mit der rechten Hand. Unterbricht der Schiedsrichter, zeigt er mit der Fahne, ob das Abseits auf der nahen Seite, in der Mitte oder auf der fernen Seite des Felds war.
  • Einwurf: Geht der Ball in seiner Nähe ins Aus, zeigt der Assistent mit der Fahne sofort die Richtung des Einwurfs an.
  • Foul: Der Assistent hebt die Fahne und bewegt sie leicht hin und her. Er nimmt dafür die Hand, mit der er danach anzeigt, wer den Freistoß bekommt.
  • Foul im Strafraum: Nach dem Zeichen geht der Assistent sichtbar an der Seitenlinie entlang in Richtung Eckfahne. Läuft er Richtung Mittellinie, war das Foul außerhalb des Strafraums.
  • Auswechslung: Der Assistent zeigt sie bei der nächsten Unterbrechung an.

Viele Gespanne nutzen zusätzlich eine Fahne mit Piepsignal oder ein Funksystem. Die zusätzlichen Assistenten an der Torlinie arbeiten ganz ohne Fahne und melden sich über Funk [1]. Wie die Abseitsentscheidung entsteht, steht im Ratgeber Die Abseitsregel einfach erklärt.

Ausrüstung

Pflicht sind Pfeife, Uhr, Gelbe und Rote Karte und ein Notizblock oder ein anderes Mittel für Aufzeichnungen. Erlaubt sind Funk- und Signalgeräte für die Verständigung im Team und Geräte zur Leistungsmessung. Nach den Regeln 2026/27 dürfen Wettbewerbe die Spieloffiziellen auf dem Feld außerdem mit Körperkameras ausstatten [1, 3]. Schwarz ist laut DFB den Schiedsrichtern und ihren Assistenten vorbehalten, sie dürfen aber auch andere Farben tragen [1].

Durchsagen und Gespräch vor dem Anpfiff

In der Bundesliga spricht der Schiedsrichter seit der Saison 2025/26 nach jeder Überprüfung am Monitor und nach jeder geänderten Entscheidung auf Hinweis des VAR zum Publikum. Die Durchsage läuft über das Headset und die Stadionlautsprecher und nennt die geprüfte Szene, das Ergebnis und die Entscheidung. In der 2. Bundesliga begann das am 9. Spieltag 2025/26 [4]. Vor jedem Spiel der beiden Bundesligen treffen sich außerdem 70 Minuten vor Anpfiff das Schiedsrichtergespann, die Trainer und die Kapitäne in der Schiedsrichterkabine zum sogenannten Handshake-Dialog. Die 3. Liga hat dieses Treffen ebenfalls eingeführt [4].

Schiedsrichter in der Bundesliga

Für die Saison 2026/27 hat der DFB die Liste der Bundesliga-Schiedsrichter von 24 auf 22 verkleinert. Dazu kommen zwölf spezialisierte Video-Assistenten. Neu in der Bundesliga pfeifen Dr. Max Burda und Richard Hempel. Ihre Laufbahn beendet haben unter anderem Deniz Aytekin, Patrick Ittrich, Frank Willenborg und Tobias Welz, der künftig als Video-Assistent arbeitet [6]. Im Profibereich ist die Aufwandsentschädigung gestaffelt und reicht bis zu 5.600 Euro je Bundesligaspiel [7].

Selbst Schiedsrichter werden

Einsteigen kannst du ab 12 Jahren, in einigen Landesverbänden ab 14. Angemeldet wird man über den Landesverband oder dessen Region. Im Neulingslehrgang lernst du die Regeln und die Spielleitung. Am Ende stehen ein Regeltest mit 30 Fragen und eine Laufprüfung, die je nach Landesverband unterschiedlich aussieht [7]. Manche Landesverbände verlangen eine Teilnahmegebühr, dazu kommen oft Materialkosten. Häufig übernimmt der Verein beides und stellt auch Trikot, Hose und Stutzen [7].

Mehrere Erwachsene sitzen von hinten gesehen in einem Vereinsraum vor einer Tafel mit Spielfeldskizze
Bild: KI-generiert

Die ersten Spiele leitet man meist im Jugendbereich, begleitet von einem Paten, der bei Platzkontrolle, Spielbericht und Passkontrolle hilft. Je nach Landesverband und Spielklasse liegt die Aufwandsentschädigung zwischen 10 und 100 Euro. Mit dem Schiedsrichterausweis kommst du kostenlos zu allen Spielen unter dem Dach des DFB, auch in Bundesliga und 2. Bundesliga [7]. Wie Vereine ihr Ehrenamt organisieren, zeigt der Ratgeber Vereinsorganisation und Ehrenamt.

  1. Organisation Fußball-Regeln 2025/2026, Regeln 5, 6 und 13, Praktischer Leitfaden für Spieloffizielle. Deutscher Fußball-Bund. Stand 2025/26. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Laws of the Game, Law 5: The Referee. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Law changes 2026/27. The International Football Association Board (IFAB). Stand 2026/27. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Schiri-Durchsagen, Abseitstechnologie, Handshake-Dialog: Was 2025/2026 neu ist. Deutscher Fußball-Bund. Stand 30.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation IFAB: Zusammenfassung der Regeländerungen 2026/27. Hessischer Fußball-Verband. Stand 01.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Burda und Hempel steigen in die Bundesliga auf. Deutscher Fußball-Bund. Stand 29.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Wie werde ich Schiri?. Deutscher Fußball-Bund. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.